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Die neurobiologische Sichtweise von Kooperationen

Wir Menschen werden durch ein Triumvirat aus Durchsetzung, Stimulanz und Sicherheit motiviert: Zum einen ist es uns wichtig, etwas zu erreichen, zum zweiten immer wieder neue Impulse im Leben zu bekommen, um uns mittel- und langfristig weiterzuentwickeln und zum dritten immer wieder die Sicherheit, Akzeptanz und Geborgenheit zu spüren, um nicht im wahrsten Sinne des Wortes sozial in der Luft zu hängen. Warum tun Menschen das was Sie tun? Antwort: Für Anerkennung, Wertschätzung, Akzeptanz und natürlich Liebe. Diverse Studien konnten nachweisen, dass Tiere, die isoliert aufwachsen langfristig jede Motivation, d.h. jeden Antrieb zu Jagen oder Fressen verlieren.

Dies verdeutlicht, wie eng die verschiedenen ‚Motivationsspritzen‘ in unserem Gehirn miteinander verbunden sind:

  1. Wenn wir das Gefühl haben, auf dem richtigen Weg zu sein, wird im Gehirn  Dopamin ausgeschüttet. Dies aktiviert uns. Wir fühlen uns kompetent und streben auf ein Ziel zu. Daher wirken Ziele auch so motivierend auf uns. Sie setzen uns solange in Bewegung, bis wir dieses Ziel erreicht haben.
  2. Doch welche Ziele motivieren uns am meisten? Wie bereits erwähnt gehen diese Ziele immer(!) in Richtung Anerkennung. Der Weg dorthin kann freilich sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen unterwerfen sich anderen, um akzeptiert zu werden. Andere setzen sich aggressiv durch, um Anerkennung zu bekommen. Wieder andere erkaufen sich mit verrückten Aktionen à la Handicaptheorie die gewünschte Aufmerksamkeit.
    VerschiedMotivation im Gehirnene Weg, aber das gleiche Ziel! Damit kommt mit Oxytocin unser Bindungshormon ins Spiel. Denn eine durch Dopamin verursachte Aktivierung auf ein Ziel hin macht alleine keinen Sinn. Die Unterstützung durch Oxytocin allerdings schon. Man könnte auch sagen: Die Aktivierung mit Dopamin wird durch die Ausrichtung auf Akzeptanz und Wertschätzung mit Wertigkeit ‚geladen‘. Eine Wertigkeit, die uns Stabilität und Kontinuität im Leben verspricht. Damit wird auch deutlich, wie sich Arbeitslosigkeit und familiäre Verluste für Menschen im Sinne eines Bindungsverlustes und ‚Nicht-mehr-gebraucht-werdens‘ auswirken und warum daher diese Menschen kaum noch einen Antrieb im Leben verspüren. Unser gesamtes System der Empathie ist letztlich darauf ausgerichtet, nicht für uns alleine zu bestehen, sondern erst im Verbund mit anderen zu dem zu werden, was wir sind. Oder wie es ein Sprichwort New Yorker Juden auf den Punkt bringt:“He/She ist a Mensch“.
  3. Die Ausschüttung von Oxytocin durch alles, was wir gemeinsam tun, sprich ein gemeinsames Projekt, Tanzen, Singen, Reden, Küssen, Sex, usw. führt dazu, langfristige Beziehungen zu zementieren und Vertrauen zueinander zu entwickeln. Ein simples Beispiel ist die Erinnerung an Namen: Wenn wir eine intensive (v.a. positive) Beziehung zu jemandem haben, wird Oxytocin ausgeschüttet, das uns hilft uns an den Namen besser zu erinnern. Dies liegt freilich auch daran, das wir mit dem Namen verschiedene gemeinsame positive Aktivitäten verbinden.Studien mit 4-jährigen Kindern ergaben, dass Heimkinder über wesentlich geringere Ausschüttungen von Oxytozin verfügen. Dies macht es ihnen letztlich schwerer, zur Ruhe zu kommen, Vertrauen aufzubauen und sich auf Bindungen einzulassen. Genau dieses zur Ruhe kommen spielt jedoch im Umgang mit Stress und damit im Gesundheitsbereich eine wichtige Rolle.
  4. Der dritte Botenstoff schließlich betrifft die körpereigenen Opioide  (z.B. Endorphine), die für die Schmerzregulierung einerseits sowie die Luststeigerung andererseits zuständig sind. Auch hier bestehen enge Verbindungen mit Dopamin und Oxytocin. Wie eine Studie mit Patienten zeigte, konnten deren Schmerzen alleine durch die Gabe eines Placebos und der Zuwendung der Ärzte durch Handhalten, Schulter klopfen/streicheln und einige warmherzige Worte um 50% reduziert werden. So kann der Körper durch die körpereigenen Schmerzmittel mit oder ohne Unterstützung von außen wieder herunterreguliert werden, um ein anstrengendes Ziel doch noch zu erreichen bzw. die Lust auf die Zielerreichung durch die Ausschüttung von Glücksbotenstoffen zu unterstützen.

Buchtipp: Joachim Bauer – Prinzip Menschlichkeit

Der Zeigarnik-Effekt

In den 1920er Jahren saß einst die russische Psychologiestudentin Bluma Seigarnik in einem Wiener Kaffeehaus und nippte an einem Glas Tee. Da sie die menschliche Natur studierte, fiel ihr folgendes auf: Wenn ein Kunde nach der Rechnung fragte, konnten die Kellner sich alles erinnern, was der Kunde bestellt hatte. Doch nachdem der Gast die Rechnung bezahlt hatte, war dieses Wissen wie gelöscht.

Zeigarnik wurde neugierig bat daraufhin im Rahmen einer Studie Versuchspersonen, eine Reihe einfacher Aufgaben auszuführen, z.B. einen Stapel aus Spielsteinen aufzubauen oder Spielzeug in eine Kiste zu legen. Bei einigen Aufgaben unterbrach sie die Teilnehmer, bevor sie mit der Aufgabe fertig waren. Genau diese unterbrochenen Aufgaben wurden am Ende wesentliche besser erinnert als die vollendeten Aufgaben.

Zeigarnik zufolge veranlasst der Beginn einer Handlung unser Gehirn, eine Art psychischer Unruhe zu erleben, die darauf drängt, das Begonnene zu Ende zu bringen.

Nutzbar ist dieser Effekt z.B. im Rahmen von Aufschieberitis: Menschen mit Aufschiebezwang verschieben oft den Beginn bestimmter Tätigkeiten, weil sie sich von der Größe der anstehenden Aufgabe überfordert fühlen. Wenn sie diese Aufgabe jedoch in minikleine Teile unterteilen und mit einem dieser Teile beginnen, spüren Sie den Drang, die Aufgabe bis zum Schluss durchzuführen.

In Coachings gibt es dazu den Spruch:“Was wäre der kleinste Schritt in Richtung Weiterentwicklung?“

Mediativ, Provokant, Agil mit einer prise Neuro

Mit mediativem Führen Veränderungsprozesse begleiten

Führungskräfte stehen heutzutage zwischen allen Stühlen. Von der einen Seite wird der Druck durch Kunden und den globalen Konkurrenzkampf über die arbeitsüberlasteten und ungeduldigen Mitarbeiter an sie herangetragen. Von der anderen Seite stoßen sie auf Systemstrukturen, die sich oftmals nicht so schnell verändern können, wie es wünschenswert und notwendig wäre. Führungskräfte befinden sich damit automatisch in einer vermittelnden, mediativen Rolle im System.

Der mediative Führungsansatz (Seminar-Agenda) bündelt die zentralen Elemente achtsamer, agiler, provokanter und neurobiologischer Führungsansätze zu einem umfassenden Gesamtkonzept. In Zeiten großer Veränderungen sind sowohl klare, kraftvolle Haltungen nötig, als auch die Achtsamkeit, mit Ruhe und Geduld zum passenden Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen zu treffen, der Humor, in Krisenzeiten die Mitarbeiter bei Laune zu halten und die richtigen Worte zu finden, die Fähigkeit, Informationen gezielt durch die Organisation zu steuern, Teams gleichzeitig stabil und agil aufzustellen sowie langfristig Mitarbeiter und Teams mit Hilfe mediativer Haltungen und gezielt eingesetzter Moderationstools zu mehr Verantwortung und Selbstmanagement anzuleiten.

Einen Einstieg in das Kapitel Mediative Führungskraft finden Sie hier: Die Führungskraft als mediativer Moderator

Wollen Sie tiefer einsteigen: Buch und/oder Kurs zum Thema „Die Führungskraft als Mediator

Provokantes Führen: Komplexitätsreduktion beginnt und endet mit Beziehungsarbeit!

In meinen Führungstrainings lerne ich eine Vielzahl an Führungskräften kennen, die eine Sehnsucht nach einfachen Führungsprinzipien und -stilen haben. Einfach im Sinne von: Direkt, achtsam, authentisch, mutig, offensiv, ehrlich, menschlich, humorvoll und lebendig. In einigen dieser (nicht nur) jungen Führungskräfte blitzt auch ein provokanter Schalk in den Augen auf. Ohne Handbremse und Betriebsrat im Hinterkopf. Diese Sehnsucht brachte mich auf das Konzept „Provokante Führung“, das ich in meinem Buch (externer Link) „Provokantes Führen – Wie Sie Ihre Mitarbeiter aus der Reserve locken“ beschreibe, seit Januar 2019 in der zweiten, aktualisierten Fassung. Humorvoll zu führen ist sozusagen die Championsleague unter den Führungstrainings.

Weg mit zu vielen Gesprächsregeln – her mit der Ehrlichkeit!

Dieses Konzept eines authentischen Beziehungsmanagements betrachte ich als zentralen Kern agiler Führung. Wir wurden in den letzten 30 Jahren mit Gesprächsregeln, Dos, Donts und Überpsychologisierung so überfrachtet, dass kaum noch jemand weiß, was er wie sagen sollte oder darf. Weg damit! Viel wichtiger als ‚Was ich sage‘ ist ‚Wie ich es sage‘. Wer machte nicht schon die Erfahrung einer toxischen Ich-Botschaft nach Lehrbuch, während ein herzliches „Du Idiot“ äußerst liebevoll wirken kann?

Digitalisierung und Agilität als Treiber

Je virtueller wir werden, desto bewusster, klarer, direkter und menschlicher sollten wir die Beziehungen zu unseren Mitarbeitern pflegen, um eine Resilienz-Pufferzone für Krisen und Unklarheiten aufzubauen. Nicht umsonst kommt kaum eine Veranstaltung zum Thema Digitalisierung und Agilität ohne das Wörtchen Menschlichkeit aus.

Konzepte zur Vereinbarung von Agilität, Digitalisierung und Menschlichkeit in Teams und Organisationen, insbesondere für agilitätsferne Unternehmen, finden sie in meinem Buch „New Work – Menschlich – demokratisch – agil“ (externer Link).

60% der Führungsarbeit betrifft Konflikte

Zur Provokation gehört dazu, Streit nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern aktiv für Klärungen einzusetzen. Die übliche Lesart von Streit lautet: Ich habe recht und du nicht. Ich bestimme, du hast zu gehorchen. Wenn Führungskräfte in Mitarbeiterjahres(krampf)gesprächen Ziele vorgeben, die der Mitarbeiter umzusetzen hat, auch wenn er anderer Meinung ist, ist dies ein Zeichen für einen herkömmlichen Streit. Diese traditionellen Kämpfe machen nicht nur krank, sondern führen auch zum berühmten „Wie gewonnen, so zerronnen“, sobald der Mitarbeiter das Büro seiner Führungskraft verlässt.

Klärungen statt Konflikte

Dabei könnte streiten so produktiv sein, wenn sich die Beteiligten für etwas einsetzen, das ihnen wichtig ist. Ich investiere Zeit und Energie in ein Projekt, das mir etwas bedeutet. Ich setze mich ehrlich mit anderen Sichtweisen auseinander, ohne Maske, ohne Visier. Ich gehe in Widerstand, sollte mein Gegenüber aus meiner Sicht einen falschen Weg einschlagen. Ich erfreue mich an der lebendigen Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Werten. Verbunden mit der Vision, dass am Ende nicht der hierarchisch höher Stehende gewinnt, sondern die beste Idee, die von allen gemeinsam umgesetzt wird.

Streit hält uns lebendig – Kooperationen machen uns erfolgreich

Jeder hat berechtigte Ziele und Ansichten. Erkenntnisse werden miteinander abgeglichen, um am Ende zu einem bestmöglichen Ergebnis für sich, für das Team und die Organisation zu kommen. Letztlich gilt: Was der Organisation zugute kommt, kommt auch mir zugute, erhält meinen Arbeitsplatz und zahlt mein Gehalt.

Neuroleadership

Ergänzt werden meine Konzepte „Provokantes Führen“ (Seminarbeschreibung Provokantes Führen) und „Agiles Leadership“ (Seminarbeschreibung Agiles Führen oder als Vortrag: Agiles Führen) durch Erkenntnisse aus dem Neuroleadership.

Auf meiner Youtube-Seite und der Seite meines Verlags finden Sie spannende Interviews rund um die Themen Provokantes Führen, Agiles Führen und Neuroleadership.

All diese Konzepte verfolgen das Ziel, stabiler und flexibler mit Komplexität und „besonderen“ Mitarbeitern umzugehen. Dazu braucht es die Selbststeuerungskompetenz der Mitarbeiter, und dazu wiederum ein transparent-authentisches Beziehungsmanagement mit demokratischen Befugnissen und Vertrauen auf beiden Seiten.

Sind Sie bereit für einen Paradigmen-Wechsel jenseits sozialer Masken und Erwünschtheiten?