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Reisen als echte Begegnung

Bild: Harryarts – Magnific.com

Reisen kann nicht nur der Erweiterung des eigenen Horizonts dienen, sondern bietet auch eine gute Gelegenheit, Ballast abzuwerfen – Annahmen, Gewissheiten, Vorurteile oder vereinfachende Bilder. Dafür können Fragen hilfreich sein, die nicht nur auf das Reiseziel, sondern auf die eigene Wahrnehmung zielen.

Was glaube ich bereits über diesen Ort wissen?

  • Welche drei Dinge fallen mir als Erstes ein, wenn ich an diese Region denke?
  • Woher stammen diese Vorstellungen – aus eigener Erfahrung, Medien oder den Erzählungen anderer Menschen?
  • Welche dieser Annahmen habe ich noch nie selbst überprüft?
  • Welche Eigenschaften schreibe ich den Menschen dort zu?

Welche Vorurteile oder Erwartungen bringe ich mit?

  • Was erwarte ich insgeheim vorzufinden?
  • Worauf hoffe ich, bestätigt zu werden?
  • Wo habe ich möglicherweise Vorbehalte?
  • Welche Schlagzeilen oder politischen Debatten prägen mein Bild der Region?
  • Wenn sich meine Erwartungen als falsch herausstellen, wäre ich darüber erleichtert, enttäuscht oder irritiert?

Mit welchen Erkenntnissen möchte ich zurückkehren?

  • Welche Frage über diesen Ort würde ich gerne beantworten können, wenn ich zurückkehre?
  • Welche Sichtweisen fehlen mir bislang?
  • Welchen Menschen hoffe ich zu begegnen, die sich von meinem eigenen Umfeld unterscheiden?
  • Welche Aspekte des Alltags interessieren mich mehr als Sehenswürdigkeiten?

Wie kann ich meine Beobachtungen erweitern?

  • Mit wem spreche ich normalerweise auf Reisen – und mit wem eher nicht?
  • Welche Orte würden Einheimische empfehlen, die nicht im Reiseführer stehen?
  • Was kann ich tun, um nicht nur das zu sehen, wonach ich ohnehin suche?

Wie möchte ich mit möglichen Irritationen umgehen?

  • Bin ich bereit, mehrere Wahrheiten gleichzeitig gelten zu lassen?
  • Wie will ich den Einheimischen als Mensch begegnen, insbesondere wenn meine religiösen oder politischen Ansichten anders aussehen?
  • Wie reagiere ich, wenn Einzelbegegnungen meinem bisherigen Bild widersprechen?
  • Wann neige ich dazu, einzelne Erfahrungen zu verallgemeinern?

Was könnte ich zurücklassen?

  • Welche Überzeugung über diesen Ort würde ich am liebsten überprüfen?
  • Welches Klischee würde ich gerne loswerden?
  • Welche vereinfachende Erzählung über die Region könnte sich als unzureichend erweisen?
  • Welche Gewissheit könnte nach der Reise ins Wanken kommen?

Tägliche Fragen für unterwegs

  • Was hat mich heute überrascht?
  • Was habe ich gesehen, das nicht zu meinem bisherigen Bild passt?
  • Mit welcher Person hatte ich ein Gespräch, das meine Sicht verändert?
  • Welche Beobachtung würde ich einem Freund erzählen, weil sie meinen Erwartungen widerspricht?
  • Welche meiner Annahmen erscheint mir inzwischen fragwürdig?

Nach der Reise

  • Welche Vorstellungen wurden bestätigt?
  • Welche Vorstellungen musste ich korrigieren?
  • Welche Fragen blieben offen?
  • Was nehme ich mit – und was lasse ich hier zurück?
  • Wie will ich nach der Reise für mich selbst oder im Austausch mit meinem Umfeld mit erlebten Irritationen umgehen?

Im Zweifel immer „die da oben“

Seit den Epstein-Akten geht es wieder los. Die Paranoia über eine kinderfressende Elite ist zurück, aktuell über die Phantasien eines Xavier Naidoo. Der Psychoanalytiker Jacques Lacan nannte dieses Phänomen eine funktionierende Paranoia, die dazu dient, eine chaotische Welt erklärbar zu machen, indem Schuldige gesucht werden, die für all das verantwortlich sind.

Die Aufklärung brachte uns zwar eine Menge Erklärungen für alle möglichen Phänomene der Welt. Doch offensichtlich bleibt parallel dazu ein Rest übrig, der sich nicht erklären lässt: Warum sind wir auf der Welt? Warum gibt es so viel Ungerechtigkeit? Warum geht es manchen Menschen schlecht, obwohl sie sich abrackern? Wer hat eigentlich in Brüssel das Sagen? Die Politiker*innen oder die Lobbyist*innen bzw. diejenigen, die hinter dem Lobbyismus stehen? Und natürlich: Warum steht unser Unternehmen vor der Insolvenz?

Auch auf solche Fragen ließen sich logische, wenn auch komplexe Antworten geben. Dennoch bleiben auch dann Lücken übrig, die früher durch Religion und heute durch Esoterik und Verschwörungstheorien gefüllt werden. Gesellschaftlich durch Chemtrails oder Eliten, die uns alle dazu bringen, Chips-Gewürz aus Menschenfleisch zu essen. Offensichtlich braucht der Mensch irgendetwas, das jenseits aller wissenschaftlichen Logik die Welt erfasst, weil diese Restlücke aus Chaos und Zufall schwer zu ertragen ist.

In Unternehmen kennen wir das auch, wenn Mitarbeiter*innen auf „die da oben“ schimpfen – auf die Netzwerker und Strippenzieher, die Machtmenschen und Intriganten. Neulich sagte eine Führungskraft in einem Seminar tatsächlich den Satz: „Wir kennen unseren Feind.“ Auch das ist eine funktionierende Paranoia. Im Grunde ist es doch so:

  • „Die da oben“ tun das, was sie tun in der Regel nicht aus Willkür, sondern aus guten Gründen, bspw. um mit der Konkurrenz mitzuhalten.
  • Die Belegschaft will jedoch an ihrem Status quo festhalten.
  • Wenn etwas schief läuft, bspw. die Technik nicht so funktioniert, wie sie soll oder aufgrund von Kriegen die Energiepreise durch die Decke schießen, oder der Erfolg einer Veränderung auf sich warten lässt, könnte dies am Prinzip Chaos liegen: Manchmal klappt es, manchmal nicht. Für manche in der Belegschaft ist jedoch klar, dass es einen Schuldigen gibt: „Wenn ‚die da oben‘ anders gehandelt hätten (uns gefragt, früher gehandelt hätten, …), wäre es nicht so weit gekommen.“

Mitarbeiter-Beteiligung ist eine feine Sache, keine Frage. In Unternehmen mit Gewerkschaften sind die Reallöhne etwa 10% höher. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Unternehmensentscheidungen auch nach reiflicher Planung nicht automatisch zu Erfolgen führen, insbesondere wenn äußere Ereignisse wie Kriege oder politische Entscheidungen dazwischen funken. Gut, wenn sich dann ein Schuldiger dafür finden lässt, um die eigenen Ängste in Griff zu halten.

Aus diesem Grund sollte die Kommunikation mit Paranoiker*innen jedweder Art nicht auf die Logik zielen, sondern auf die Emotionen. Es geht nicht darum, Menschen in solchen Deutungsmustern zu überführen, weil die Struktur dahinter nicht primär kognitiv ist, sondern existenziell, emotional stabilisierend und identitätsstiftend. Gerade in Krisen verfolgen Menschen drei Strategien zur Stabilisierung:

  • Zugehörigkeit: „Wir sind unschuldig und fühlen uns dennoch bedrohter als „die da oben“. Doch gemeinsam sind wir weniger allein und können vielleicht sogar einen Einfluss ausüben.“
  • Bedeutung und Sinnhaftigkeit: „All das muss einen Sinn haben. Es gibt bestimmt einen Plan, warum das passiert. Es kann doch nicht einfach Zufall sein.“
  • Macht: „Vermutlich verfolgt sogar jemand einen Plan, der mächtiger ist als wir. Denn wenn jemand all das plante, lässt sich unsere Wut adressieren, dieser jemand (Lacan würde sagen „der große Andere“) muss uns endlich zuhören und sollte dann auch gegensteuern. Wir müssen nur die richtigen Menschen davon überzeugen, dass wir recht haben.“

Es gilt daher zu verstehen, was die Überzeugung schützt und schrittweise auf mögliche Stabilisierungen hinzuarbeiten.

Die meisten dieser Fragen lassen sich universell sowohl im Alltag als auch bspw. in Changeprojekten einsetzen. Sie folgen nicht automatisch einem bestimmten Ablauf. Ein Springen zwischen den Ebenen ist jederzeit möglich und oft auch sinnvoll. Dennoch ist es hilfreich, sich grob an der folgenden Reihenfolge zu orientieren:

1. Gesehen werden

  • „Was macht Ihnen aktuell am meisten Sorgen?“
  • „Was an der aktuellen Lage fühlt sich für Sie besonders bedrohlich an?“
  • „Gab es einen Moment, der diese Sorge auslöste oder schwelt das schon länger?“

2. Sinn und Bedeutung ergründen

  • „Woraus ergibt sich Ihre Sichtweise?“
  • „Was wird dadurch für Sie verständlicher?“
  • „Was würde fehlen, wenn Sie das nicht so sehen würden?“
  • „Was verleiht Ihrem Leben (Ihrer Arbeit) unabhängig von großen Erklärungen Bedeutung?“

3. Zukunftshoffnung

  • „Was müsste passieren, um wieder mehr Vertrauen zu haben?“
  • „Was könnte Ihnen Hoffnung geben – unabhängig davon, ob Ihre Sicht stimmt oder nicht?“
  • „Wann fühlten Sie sich zuletzt zuversichtlich?“
  • „Was würde Ihnen aktuell eine kleine Basis von Sicherheit geben?“
  • „Was trägt uns, auch wenn wir die Welt nicht komplett verstehen?“

4. Selbstwirksamkeit

  • „Was würde sich verändern, wenn wir realisieren, dass wir die Welt weniger kontrollieren können, als wir uns denken oder wünschen?“
  • „Worauf haben Sie aktuell einen direkten oder indirekten Einfluss?“
  • „Was liegt wirklich in Ihrem Handlungsspielraum?“
  • „Wo erleben Sie im täglichen (Arbeits-) Alltag, dass Dinge gelingen?“
  • „Was brauchen Sie von mir, dass Sie gute Arbeit leisten können?“

Damit wird das Ansprechen der vier Ebenen zu einen Gegenstrategie der Stabilisierung:

  • Gesehen werden bricht die tribalisierte Zugehörigkeit auf.
  • Sinn und Bedeutung werden in ihrer Funktion gewertschätzt.
  • Die Zukunftshoffnung bringt eine weitere Dimension der Zugehörigkeit ins Spiel: Die Zukunft ist noch offen und wir sind beide ein Teil davon.
  • Der Aspekt der Selbstwirksamkeit verteilt Macht neu, indem es klärt, wer wofür wichtig ist, und klärt auch über die Dimension der Macht Zugehörigkeiten.

Was tun, wenn Belastungen zu groß werden?

Wie gehen (manche) Unternehmen mit Leistungsträger*innen um?

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Viele belastete Mitarbeiter*innen hadern zwar mit ihrem Unternehmen, kündigen jedoch nicht, weil es innerhalb ihres Teams gut läuft und sie die anderen Kolleg*innen nicht im Stich lassen wollen. Ohnehin sind eher die verantwortungsbewussten Leistungsträger*innen belastet – und damit gute Kolleg*innen – und nicht diejenigen, denen es eher egal ist und die im Zweifel auch nicht für andere einspringen. Es ist jedoch eine alte Grundregel, erst für sich selbst eine innere Klarheit zu bekommen, bevor eine Wir-Resilienz aufgebaut werden kann.

1. Persönliche Ebene – Startpunkt mit klarem Fokus

Der erste Schritt bei langfristigen Belastungen sollte immer die innere Klärung sein:

  • Was genau belastet mich? → Bsp.: Nicht nur zu viel Arbeit, sondern auch die impliziten Spielregeln in einem Unternehmen: Anerkennung für Überstunden, Überlastung als Tabuthema, feste Dienstzeiten werden ignoriert
  • Welche Bedürfnisse stehen dahinter? → Bsp.: Gesehen werden, fair behandelt werden, Planbarkeit, ein Privatleben haben. Hier ist auch ein Check nach dem SCARF-Modell hilfreich:
  • Was gilt offiziell oder inoffiziell als nicht verhandelbar? → Pausen? Feierabend? Abschalten am Wochenende? Freie Urlaubszeiten? Anerkennung ohne Selbstausbeutung?
  • Wo befinden sich meine eigenen Grenzen? → Was bin ich noch bereit mitzugehen und wie lange? Wo befindet sich meine Belastungsgrenze? Woran mache ich das fest, bspw. an meiner Stimmung, an Rückmeldungen von Freunden oder dem Partner? Was kann ich aus den Belastungen für Erkenntnisse ziehen? Was erfahre ich selbst über meinen Umgang mit den Belastungen?

Die Ziele auf der persönlichen Ebene lauten:

  • Identitätsklärung: Sich selbst klar machen, welche Bedürfnisse ich habe, um mich wohl zu fühlen und gute Arbeit zu leisten. Dadurch lässt sich die eigene Identität vom System entkoppeln, um nicht vereinnahmt zu werden.
  • Eine bewusste Position entwickeln: Was bin ich bereit zu geben – und was nicht, selbst wenn das Konsequenzen hat?

Ohne diese Klarheit wird alles Weitere entweder angepasst oder resignativ.

2. Team-Ebene – Wo steht mein Team?

Als zweiten Schritt stellt sich die Frage, ob das eigene Team ein Resonanzraum für die eigene Belastung ist oder ein Verstärker des systemischen Problems? In einer volatilen und kompetitiven systemischen Kultur, in der Überstunden als Statussymbol gelten, sind Teams oft Teil der Reproduktion des Systems und sozialer Druckverstärker, weil sich niemand aus dem Fenster lehnen will. Verbunden damit ist entweder die Hoffnung, die Belastungen solange durchzustehen, bis sich etwas besseres ergibt oder hierarchisch aufzusteigen, um anschließend den Druck nach unten weiterzugeben.

Dennoch gibt es immer wieder Teams, die anders funktionieren. Teils hat dies organisatorische Gründe.

Drei Beispiele:

  • Eine Personalabteilung kann Seminare zumindest teilweise autonom platzieren.
  • Ein Social-Media-Team besteht vorwiegend aus jungen Kolleg*innen, denen Work Life Balance wichtig ist.
  • Ein Scrum-Team aus der IT spielt nach anderen Spielregeln als der Rest des Unternehmens.

In solchen Teams gibt es in der Regel einzelne Verbündete, eine Führungskraft mit Gestaltungsmacht in ihrem Bereich oder Räume, in denen Belastung thematisierbar ist, ohne sanktioniert zu werden.

Solche Teams lassen sich entsprechend als Resonanzraum nutzen, indem …

  • … über persönliche und systemische Belastungen gesprochen wird.
  • … Wertschätzung für Arbeit erfolgt.
  • … Abmachungen getroffen werden, um sich gegen Belastungen von außen zu schützen, beispielsweise indem einzelne Kolleg*innen an persönlich wichtigen Terminen frei bekommen, ohne dies nach außen zu thematisieren.
  • … kleine Grenzen getestet und kommuniziert werden (pünktlicher Feierabend, Erreichbarkeit am Wochenende), um zu beobachten, was passiert.

Wichtig dabei ist das doppelte Signal: Wir spielen bei uns nach anderen Regeln und es funktioniert genauso gut oder sogar besser. Wir lassen uns daher nicht von euch stressen.

Die Ziele auf Team-Ebene lauten:

  • Teaminterne Regeln klären: Was wollen wir aus der Tabuzone holen? Wofür gibt es bei uns Anerkennung?
  • Kommunikation nach außen: Wie wollen wir mit Angriffen von außen umgehen?
  • Reaktionen des Unternehmens testen: Welche Systemabweichungen sind ungefährlich? Wie viel Abweichung wird toleriert?

Es geht nicht primär darum die gesamte Unternehmenskultur zu verändern, sondern eigene Handlungsspielräume ausloten.

3. System-Ebene – Reflektieren und handeln

Funktioniert das Gesamtsystem darüber, dass Zugehörigkeit, Karriere und Loyalität v.a. über Selbstausbeutung funktioniert, lautet die zentrale Frage: Kann ich in einem solchen System langfristig gesund bleiben?

Mitarbeiter*innen kündigen in der Regel nicht aufgrund eines unfairen Systems, sondern aufgrund schwieriger Chefs und anstrengender Kolleg*innen. Daher kann man es auch in einem ungesunden System lange aushalten, wenn das Team passt.

Gute Teams werden oft sogar neidisch beäugt und üben daher manchmal einen magnetischen Sog aus, wenn Mitarbeiter*innen intern wechseln wollen. Langfristig können auch weniger Krankheitstage oder die Beliebtheit der Führungskraft für solche Teams sprechen, sofern es Erhebungen dazu gibt.

Der entscheidende systemische Schritt ist dennoch kein Veränderungsversuch, sondern eine innere Distanzierung, die Stärkung der Wir-Resilienz im Team und darauf aufbauend eine kollektive strategische Stärkung oder mittelfristig, wenn nichts mehr hilft – ein bewusster Ausstieg, sofern dies möglich erscheint.

Handlungsfähigkeit entsteht nicht dadurch, dass ich möglichst viel aushalte, sondern dadurch, dass ich weiß, worauf ich mich einlasse, was ich bereit bin auszuhalten, was wir als Team aushalten können und wo die eigenen und kollektiven Grenzen liegen.

Führung unter schwierigen Bedingungen

Soziale Träger arbeiten dauerhaft unter Bedingungen, die sie selbst nicht geschaffen haben: Chronische Unterfinanzierung, Fachkräftemangel, eine stetig ansteigende Komplexität durch bürokratische Anforderungen und wachsende emotionale Belastungen. Führungskräfte stehen dabei häufig ohne echte Steuerungsmacht da – verantwortlich für Menschen, Prozesse und Ergebnisse, ohne über die notwendigen Ressourcen zu verfügen. In diesem Kontext wirkt klassischer Optimismus zynisch. Motivationsparolen nutzen sich ab. Veränderungen verpuffen, weil der Alltag mächtiger ist. Was bleibt, ist oft Frustration und Erschöpfung – und die stille Frage: Wie lange halte ich das noch durch, ohne mich selbst oder mein Team zu verlieren?

Das Prinzip Hoffnung wird oft als naiv geschmäht, steht jedoch in Wirklichkeit für ein professionelles Führungsverständnis, das Führungskräften dabei hilft:

  • die Ambivalenz zwischen Idealismus und Realität auszuhalten,
  • an Veränderungen zu glauben und diese zu fördern, auch wenn dies nur in kleinen Schritten möglich ist,
  • sich immer wieder auf neue Situationen einzulassen und
  • zwischen Optimismus und Pessimismus im Team zu vermitteln.

Hoffnung ist in sozialen Systemen keine Option, sondern eine wichtige Grundlage dafür, dass Menschen bleiben, Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln können.

Mein Impuls-Vortrag zeigt Ihnen …

  • warum ein optimistisches „Wir schaffen das!“ in Veränderungsprozessen an Grenzen stößt und welchen Unterschied es macht, Hoffnung gezielt einzusetzen.
  • welche praktische Wirkung Hoffnung als Balance aus Zuversicht und kritischem Realismus für den Umgang mit Widerständen entfaltet.
  • wie Sie als Führungskraft durch eine glaubwürdige Haltung der Hoffnung Ihren Mitarbeiter*innen Orientierung geben und sie gleichzeitig motivieren, schwierige Situationen gemeinsam zu meistern.

Hoffnung schafft einen kollektiven Denkrahmen, der nicht beschönigt und individualisiert („Du musst resilienter werden!“), sondern systemische Realitäten ernst nimmt und dennoch handlungsfähig bleibt.

Im Anschluss an den Vortrag gibt es die Möglichkeit für einen Austausch in der Gruppe und Vernetzungen.

Datum: 11.2., 10.3., 16.4.2026 (weitere Termine demnächst)

Uhrzeit: 19.00 – 20.30 Uhr

Ort: online, Link wird nach Anmeldung mitgeteilt.

Kosten: keine

Zielgruppe:

  • Bereichs- und Teamleitungen, die zwischen Anspruch, Personalnot und Bürokratie zerrieben werden
  • Einrichtungsleitungen in Pflege, Behinderten- und Jugendhilfe
  • Führungskräfte in Wohlfahrtsverbänden und kirchlichen Trägern

Anmeldung unter: info@m-huebler.de

Stichwort: Hoffnung

Das Hoffnungs-Hexagon

Hoffnung ist keine diffuse Emotion, sondern eine gleichzeitig stabilisierende und motivierende Haltung zur Welt. Sie wirkt individuell für uns selbst, aber auch kollektiv in der Weitergabe und entfaltet sich in sechs miteinander verbundenen Dimensionen:

1. Resilienz

Wer handelt, kann scheitern. Hoffnung verwandelt ein Scheitern von einem Endpunkt in eine Zwischenstation. Sie erlaubt es, Rückschläge als Teil eines längeren Prozesses zu begreifen. Enttäuschungen werden damit zu wichtigen Informationen, um einen eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

2. Gelassenheit

Der Satz „man hofft halt“ verdeutlicht, dass wir in vielen Situationen des Lebens nur einen begrenzten Einfluss haben. Die Hoffnung erkennt das an und schafft durch die Unterscheidung zwischen dem, was im eigenen Einflussbereich liegt, und dem, was nicht beeinflusst werden kann Gelassenheit, um sich vor Überforderung und Zynismus zu wappnen.

3. Realistische Zuversicht

Hoffnung bildet eine Brücke zwischen einem blinden Optimismus und einem resignierten Pessimismus. Sie hält an Zielen fest, ohne Probleme, Risiken und Grenzen zu ignorieren. Dadurch bleiben wir stabil, ehrlich und handlungsfähig.

4. Mut zum Handeln

Hoffnung macht Mut, weil sie Veränderungen für möglich hält. Wer hofft, glaubt nicht an einen wahrscheinlichen Erfolg, sondern an die prinzipielle Gestaltbarkeit der Welt. Mutig ist in diesem Sinne, wer Möglichkeitsräume auslotet und nutzt, ohne auf perfekte Sicherheiten zu warten.

5. Ausdauer

Hoffnung korrigiert die ungeduldige Erwartung schneller Erfolge. Tiefgreifende Transformationen brauchen Zeit und verlaufen meist unendlich. Ausdauer entsteht dort, wo Hoffnung einen langen Atem ermöglicht.

6. Verbundenheit

Hoffnung ist ansteckend. In der Weitergabe von Hoffnung entsteht eine kollektive Handlungsfähigkeit durch vertrauensvolle Kooperationen auf der Basis gemeinsamer Verantwortung. Geteilte Hoffnung stärkt wiederum den Mut weiterzumachen, nicht nur individuell, sondern kollektiv.

Vertiefungen zu Hoffnung im Führungskontext: https://www.walhalla.de/wirtschaft-management/management-und-fuehrung/5115/hoffnung