Archiv der Kategorie: Stressmanagement

Resilienzfragebogen

Aufgrund der großen Resonanz auf meinen letzten Artikel zum Thema Resilienz der Deutschen Fußballnationalmannschaft, habe ich beschlossen, den Resilienzfragebogen, den ich auch in meinen Seminaren nutze als Excel-Datei online zu stellen.

Laden Sie dazu die Excel-Datei herunter und füllen den Resilienzfragebogen direkt in der Datei aus. Die Werte werden automatisch errechnet.

Sollten sich „Baustellen“ ergeben, enthalten die Fragen in dem Resilienzfragebogen bereits einige Anregungen zur Weiterarbeit. Bei tiefer gehenden Fragen können Sie mich gerne kontaktieren per mail unter info@m-huebler.de oder per Telefon unter 0911/7662641.

Input und Output

Umgang mit der Informationsflut

Im Zeitmanagement gibt es die Regel: An normalen Tagen, das heißt nicht in Einarbeitungsphasen, nach dem Urlaub oder nach einer Erkrankung, sollte die Menge der Informationsflut kleiner sein als der Output an Entscheidungen und Aktivitäten. Die vermeintlich banale Regel kann eine entscheidende Wirkung auf Ihren Umgang mit der täglichen Informationsflut haben. Sie kann zu eine Art innerer Kompass werden.

Da Menschen grundsätzlich das Bedürfnis haben, etwas zu erschaffen, das heisst, tätig zu werden, und sich nicht nur mit Informationen vollzufüllen, erscheint mir diese Regel auch über die Arbeit hinaus als wichtige Lebensmaxime: Mehr Eigenaktivitäten (die Erschaffung von ‚Kunst‘) und Kommunikation (die Erschaffung von gemeinsamen Gedankenwelten) machen sicherlich glücklicher als Fernsehen und Konsum.

Der Ursprung der Pause

Letztlich geht jede Pause, die wir machen auf unseren Sonntag bzw. den jüdischen Sabbat zurück.  Gott musste jedoch nicht ruhen, weil es so anstrengend war, sondern um die Welt ruhen zu lassen.

Die Definition von Arbeit laut Talmud ist nicht, etwas zu erschaffen, sondern sich in ein (soziales) Gefüge einzumischen, d.h. etwas zu verändern. Doch da Veränderungen oftmals Konflikte nach sich ziehen, ist es wichtig, die Veränderungen in regelmäßigen Abständen ruhen zu lassen, um wieder inneren Frieden zu finden.

Im alten Babylon war der Sabbat allerdings ein dem Saturn,  dem Gott der Zeit und des Todes, gewidmeter Tag der Selbstbestrafung und Trauer. Das bekannte Bild von Goya verdeutlicht, wie furchterregend der Saturn für die Menschen ist.

Dass der Saturn früher am Sabbat verehrt wurde, zeigt sich auch heute noch im englischen Begriff Saturday.

Der biblische Sabbat hingegen wurde zum Tag der Ruhe und des Friedens. Ein Tag, an dem die Zeit still steht, da niemand etwas tut und damit die Zeit anhält. Damit wurde der Sabbat bzw. unser Sonntag zum kompletten Gegenteil der vorherigen Huldigung des Saturn.

Sicherlich dienen Pausen, insbesondere der Sonntag, der Erholung und Regeneration. Doch der Gedanke, nicht nur passiv, sondern auch aktiv inne zu halten und sich das Erschaffene anzusehen und der Gedanke, Veränderungen Raum zu geben (mindestens 1/7) ergänzt den Erholungsgedanken um etwas absolut Wesentliches. Pausen werden damit zur Aktivität auf einer ganz neuen Ebene. Anstatt von Saturn, oder auch Chronos, verdaut zu werden, der wie unsere Armbanduhren stetig die eigenen, gerade eben geborenen Kinder bzw. Sekunden, frisst, sollten wir es uns gönnen, das Erschaffene selbst zu verdauen und unsere eigenen Schöpfungen zu genießen.

Literatur: Erich Fromm: Märchen, Mythen, Träume

Das Nash-Gleichgewicht

Vieles in unserem Leben läuft sehr schnell ab. Wir scheinen geradezu eine Lust daran gewonnen zu haben, „Tätigkeiten“ im weitesten Sinne sehr schnell zu vollführen.
Beispiel Autofahren. Neulich saß ich als Beifahrer in einem Fahrzeug, das 200 km/h in der Spitze fuhr. Durch Österreich hindurch gingen nur maximal 130 km/h. Als Beifahrer empfand ich diese Geschwindigkeit als normal. Ich fühlte mich wohl und ließ mich durch die Welt kutschieren. Doch sobald wir die Grenze nach Deutschland überquerten, schnellte die Nadel auf 160 – 180 – 200 hoch, noch dazu auf einer größtenteils zweispurigen Fahrbahn. 160 empfand ich noch als einigermaßen angenehm. Dach spätestens bei 180 fing ich an, mich dauerhaft festzuhalten. Da ich kein religiöser Mensch bin, fing ich nicht an zu beten, nicht einmal ein kurzes Stoßgebet. Doch geheuer war mir das ganze nicht. Dazu muss man sagen, dass ich selbst bisher maximal 170 km/h gefahren bin und i.d.R. mit 120-130 km/h durch die Gegend tuckere.
Ich kam in diesen 3 Stunden zu der Einsicht, dass der Mensch nicht geschaffen ist für solch schnelle Geschwindigkeiten. Die meisten Fahrzeuge fahren in etwa 130 km/h. Dadurch befinden sie sich alle zusammen in einem Gleichgewicht, einer Art Autobahn-Flow, vielleicht sogar einem sogenannten Nash-Gleichgewicht (siehe auch hier oder hier). Ein Nash-Gleichgewicht besteht dann, wenn es bestimmte Regeln für einen gemeinsamen Ablauf mit mehreren Beteiligten gibt, die zu brechen eine Risiko für alle beinhaltet. Rechts-vor-Links ist so ein typisches Regelwerk. Und die Geschwindigkeit auf Autobahnen wird m.E. ebenso durch ein Nash-Gleichgewicht geregelt. Auf der rechten Fahrspur ist dies in der Regel irgendetwas zwischen 80 und 100 km/h. Auf der linken Spur hängt das Gleichgewicht, d.h. die Geschwindigkeit, auf der sich die meisten einpendeln, von den den Rahmenbedingungen ab: 2- oder 3-spurig sowie die vorgegebene Geschwindigkeit. Bei einer vorgegebenen Geschwindigkeit orientieren sich die meisten Autofahrer an der Regel maximal 20 km/h schneller zu fahren. Bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h macht dies typischerweise 110 km/h. Ohne Geschwindigkeitsbegrenzung ergibt sich für eine 2-spurige Autobahn meist eine Gleichgewicht von etwa 130 km/h – für die linke Spur einer 3-spurigen Autobahn freilich ein wenig mehr. Dennoch bleibt das Prinzip dieses Gleichgewichts unabhängig von den Rahmenbedingungen erhalten.
Zu Thema Schnelligkeit auf Autobahnen findet sich im Netz eine Menge Material aus Polizeiberichten, z.B. hier.
Fazit: Etwa die Hälfte aller Unfälle (zumindest im Saarland, aber das wird anderswo ähnlich sein) ist auf die Geschwindigkeit, zu dicht auffahren, Kolonnen-Springen, überholen o.ä. zurückzuführen. Alkohol und Drogen zusammen machen gerade mal lächerliche 7,4% aus. Das persönliche Fazit überlasse ich jedem selbst;). Das sind lediglich die Fakten.
Ergänzen möchte ich lediglich folgendes: 1973 wurde in Österreich ein Tempolimit von 100 km/h für Bundesstraßen, 1974 ein Tempolimit von 130 km/h für Autobahnen eingeführt. Daraufhin ging die Anzahl der Todesfälle um über 30% zurück. Die Österreicher haben es durch dieses Limit offensichtlich geschafft, eine Gleichgewicht vorzugeben, das das Autofahren auf Autobahnen sicherer macht. Ich weiß auch von anderen Ländern, in denen es solche Beschränkungen gibt (Frankreich, Ungarn, …). Sind wir Deutschen so autovernarrt, dass 200 km/h sein müssen?
Doch noch einmal zurück zur Überschrift: Schnell – Langsam. Zum überholen müssen wir schneller machen, doch dann könnten wir uns wieder ein einem Gleichgewicht einpendeln. In welchen Zusammenhängen kennen Sie noch solche Gleichgewichte?

Meditation hilft

Seit etwa 3 Jahren ist es amtlich. Meditation hilft gegen den Stress im Alltag.

Ganz ehrlich: Wenn Freunde und Bekannte von mir einige Zeit verschwanden, um in einem Kloster auf Burma oder sonst irgendwo auf der Welt zu meditieren, konnte ich nicht umhin, dies als sehr kognitiv und zielorientiert ausgelegter Mensch immer ein wenig zu belächeln. Auf der einen Seite war da evtl. auch ein wenig Neid, da ich mir solche Selbsterfahrungstrips als Familienvater nicht mehr so einfach leisten kann. Auf der anderen Seite bekam ich allerdings auch häufig mit, dass das kulturelle Loch, in das meine Bekannten fielen, oft noch viel größer war als vor der Auszeit. Doch hier greifen glaube ich andere, meist sehr persönliche Geschichten.

Nun sind seit einigen Jahren die Neurowissenschaften als große Wahrheitslieferanten unterwegs. Und eine neue Erkenntnis besagt: Wenn wir meditieren, verändert sich unser Gehirn. U.a. wird während dem Meditieren unsere Amygdala (für Ängste und Wutausbrüche zuständig) beruhigt. Das allein ist noch keine große Erkenntnis. Doch unser Gehirn funktioniert wie ein großer Muskel, der stetig trainiert werden muss, damit er funktioniert. Und so wie das Areal für Daumenbewegungen bei Jugendlichen mittlerweile im Vergleich zu vor 10 Jahren doppelt so groß ist (der SMS-Muskel im Gehirn), so können auch andere Gehirnbereiche dauerhaft ausgebaut (aber natürlich auch abgebaut) werden.

D.h.: Wenn wir meditieren bzw. Ruhezustände trainieren, reagieren wir später auch in hektischen Situationen ruhiger und besonnener. So konnten neurowissenschaftliche Studien belegen, dass Menschen, die regelmäßig meditieren, auf Babygeschrei oder hektische Alltagssituationen wesentlich entspannter reagieren. Die Amygdala deutete das Geschrei eben nicht wie sonst als Angriff, der sofort pariert werden muss, sondern realisierte das Schreien oder eine reizüberflutende Marketingattacke als ganz normale Information, die folglich ebenso normal und in Ruhe verarbeitet werden konnte. Dass dies enorme Vorteile hat, z.B. für die Entscheidungsfindung, liegt auf der Hand.

So macht es mehr Sinn, vor einem Vortrag, einer Prüfung o.ä. anstatt ein Skript zum 100. mal durchzulesen früh ins Bett zu gehen, eine Runde spazieren zu gehen oder eine Stunde zu meditieren. Aber auch vor Konfliktsituationen mit Kollegen, dem Partner oder den Kindern ist es sinniger, sich mental und in Ruhe vorzubereiten. Neurobiologen sagen dann auch: die Amygdala wird gestreichelt oder auch: Wir bahnen die Nervenzellen, die in uns für Ruhe stehen.