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Organische Solidarität als Basis einer gelungenen Teambindung

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Teufelskreis Fluktuation

Viele Firmen haben derzeit einerseits mit einer hohen Fluktuation und andererseits mit einer Zusammenarbeit auf Distanz zu kämpfen. Beide Faktoren machen den Aufbau tiefer Beziehungen schwierig. Dabei wären Bindung und gegenseitiges Vertrauen so wichtig, um gut mit Stress und Krisen umzugehen. Damit befinden sich viele Teams in einem Teufelskreis:

  • Die hohe Fluktuation verhindert langfristige Bindungen.
  • Das Homeoffice kann gerade bei jungen Teams auch zu emotionalen Distanzen führen.
  • Damit wird jede*r mit Stress in Krisenzeiten alleine gelassen.
  • Dies wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit eines frühzeitigen Wechsels.

Wie lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen?

Mechanische versus organische Solidarität

Der Soziologe Emile Durckheim unterschied zwischen einer mechanischen und einer organischen Solidarität. Die mechanische beruht auf einer Solidarität unter Gleichen, über die nicht nachgedacht werden muss, was in Familien der Fall ist. Oder aber die mechanische Solidarität wird künstlich hergestellt, wie wir das von Sekten, der Mafia oder aus dem Kommunismus kennen, indem die Gleichheit überbetont wird und persönliche Unterschiede unterdrückt werden.

Die organische Solidarität wiederum beruht auf Ergänzung durch Unterschiede. Während Kollege A kreativer ist, hat Kollegin B ein besseres Zeitmanagement. Eine organische Solidarität beruht daher nicht auf engen Gruppenzugehörigkeiten und damit engen meist persönlichen Bindungen, sondern auf der wechselseitigen Angewiesenheit aufeinander. Wie in einem Körper die verschiedenen Organe aufeinander angewiesen sind, kann in einer modernen arbeitsteiligen Gesellschaft das eine soziale Segment nicht ohne das andere bestehen. Die organische Solidarität beruht also nicht auf Ähnlichkeit, sondern auf einer gesellschaftlichen Notwendigkeit der Zusammenarbeit.

Die Stärke von Schwächen

Die organische Solidarität lässt sich gut mit einem Körper vergleichen. Ein Körper besteht aus verschiedenen Körperteilen mit unterschiedlichen Funktionen. Die Hände greifen, die Beine bringen uns voran, der Kopf denkt, der Magen verdaut, usw. Um geistig zusammengehalten zu werden, braucht unser Körper einen Sinn. Dieser kann im Selbsterhaltungstrieb, einer Vision von Glück und Zufriedenheit, der Abwesenheit von Schmerzen und Krankheit oder schlicht einem Gefühl von Lebendigkeit zu finden sein. Worin jedoch besteht die Idee des Zusammenhalts in einer organischen Solidargemeinschaft, beispielsweise einem Arbeitsteam?

Am wichtigsten sind sicherlich auch hier gemeinsame Ziele, eng verbunden mit dem Sinn der Team-Existenz: Wofür und für wen machen wir das alles? Wollen wir vielleicht sogar die Welt ein klein wenig besser machen?

Desweiteren gilt es aber auch, sich des Miteinanders stärker bewusst zu werden:

  • Wie wollen wir miteinander umgehen? Wie wollen wir uns loben und kritisieren? Wie mit Fehlern umgehen? Wie humorvoll darf es sein? Wie offen und ehrlich? Wofür gibt es Anerkennung? Was ist tabu?
  • Welche Stärken und Schwächen haben wir und wie können wir uns gegenseitig ergänzen?

Der zweite Punkt verdeutlicht, dass der alleinige positive Fokus auf Stärken für eine gegenseitige Bindung nicht ausreicht. Es braucht auch das Bewusstsein der eigenen Schwächen und damit verbunden die Demut, die Kolleg*innen zu brauchen.

Mechanische versus organische Teams

Viele Teams, die ich in den letzten Jahren begleitete, hatten einen familiären Charakter. Sie sahen sich als Teams, die nicht nur funktional zusammen arbeiten, sondern auch in der Teeküche gerne private Themen austauschten. Die Zusammenarbeit auf Distanz brachte hier eine drastische Zäsur. Plötzlich gab es viel weniger Möglichkeiten, sich spontan in der Pause über Privates auszutauschen. Damit wurde solchen Teams jedoch eine starke Quelle zur Bindung und zum gegenseitigen Vertrauen geraubt, im Sinne von: Wenn ich von A’s Kindern weiß, kann ich A auch von meinem Problemen erzählen. Solche Teams funktionierten folglich (zumindest zum Teil) als eine Gemeinschaft unter Gleichen nach dem Prinzip der mechanischen Solidarität.

In mechanischen Solidargemeinschaften ist Harmonie wichtig. Daher ist es schwierig, Probleme anzusprechen. Gleichzeitig glauben sie daran, wenig regeln zu müssen, wie miteinander umzugehen ist, wie gelobt und kritisiert werden sollte, wie mit Fehlern umgegangen wird, wofür es Anerkennung gibt und was tabu ist. In einer Gemeinschaft unter Gleichen braucht es dies auch nicht. Man kennt sich schließlich und trifft lieber spontane Vereinbarungen.

Im Vergleich zu einer Familie wird also deutlich: Je weniger gut sich Menschen kennen und je geringer daher die (natürliche) Bindung ist, desto wichtiger ist eine organische Solidarität. In dem Moment, wo sich mechanische Gemeinschaften auflösen, braucht es wieder mehr Regeln, Rituale und Rollen, aus denen die jeweiligen Stärken der Beteiligten deutlich hervorgehen.

Eine Bindung im Team ist also durchaus auch bei einer hohen Fluktuation möglich, wenn die Erwartungen aneinander und der Umgang miteinander von Beginn an offen und ehrlich geklärt werden. Damit dies gelingt, braucht es eine moderierende, emotional kompetente und positive Führungskultur.

Literatur (externe Links)

Michael Hübler – Die Führungskraft als Mediator

Michael Hübler – Mit positiver Führung die Mitarbeiterbindung fördern

Michael Hübler – Wir sollten reden!

Unsere Intuition als kluger Ratgeber

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Gerade in hektischen Zeiten scheiden sich die Geister, was unsere Intuition angeht. Die einen verlassen sich dann lieber auf ihren Verstand, um nicht zu emotional zu entscheiden. Den anderen erscheint das logische Denken unter Stress viel zu langsam. Was also ist unsere Intuition? Und wann sollten wir sie wie bei der Entscheidungsfindung einsetzen?

Intuition als interner Moderator

Laut dem Philosophen Henri Bergson vermittelt Intuition zwischen unserem Intellekt und unserem Instinkt. Würden wir nur auf unseren Intellekt hören, kämen vermutlich unsere Bedürfnisse zu kurz. Würden wir nur auf unseren Instinkt hören, wäre unser Verhalten ab und an vermutlich etwas maßlos. Da wir jedoch in der Regel in einem sozialen Umfeld leben, brauchen wir – insbesondere in der Arbeit – noch eine vierte Instanz, die leider nicht ebenso wie die anderen drei mit I anfängt, sondern mit E: Unsere Empathie, die häufig auch als soziale Intuition beschrieben wird.

Mein Intellekt ist folglich für folgende Fragen zuständig:

  • Was nehme ich wahr?
  • Welche Fakten kann ich berücksichtigen?
  • Was weiß ich?
  • Was sagt meine Erfahrung?
  • Kann oder soll ich mein Wissen auslagern, um Energie und Zeit zu sparen, beispielsweise Computer nutzen?
  • Kann oder soll ich bei häufig vorkommenden Entscheidungen Checklisten oder Prozessablaufpläne nutzen?

Mein Instinkt kümmert sich um meine Bedürfnisse:

  • Was brauche ich?
  • Was will ich vermeiden?
  • Wovor sollte ich mich schützen?
  • Wie kann ich meine Lust vergrößern oder Unlust vermeiden?

Meine Empathie beschäftigt sich mit meinem sozialen Umfeld:

  • Was ist mein Gegenüber für ein Mensch?
  • Was braucht mein Gegenüber?
  • Was regt mein Gegenüber in mir an (Stichwort: Spiegelneuronen)?
  • Womit könnte ich mein/em Gegenüber überraschen / enttäuschen / wütend machen ängstigen / eine Freude machen?

Bleibt noch meine moderierende Intuition übrig, die nach Bergson grundlegend darauf achtet, dass Handlungen eher lebendigkeitsfördernd sind:

  • Was hält mich und mein Gegenüber lebendig?
  • Wann sollte ich auf meinen Intellekt, wann auf meinen Instinkt und wann auf meine Empathie hören?

Quelle: Philosophie Magazin 02/2023

Über die Illusion einer perfekten Welt

Wir gehen i.d.R. davon aus, dass etwas Ganzes das Normale ist, beispielsweise Gesundheit oder Glück. Was wäre jedoch, wenn nicht die Ganzheit, sondern – passend zu meinem letzten Artikel über die Philosophie des Kintsugi – die Abweichung das eigentlich Normale im Leben ist? Es gibt vermutlich keinen Menschen auf der Welt, der noch niemals krank war. Und jeder Mensch hat irgendeinen psychischen oder physischen Makel. Abweichungen sind normaler als wir denken. Aus diesem Grund sind Perfektionismus und Vollkommenheit eine Illusion. Die meisten von uns ekeln sich vor Exkrementen, obwohl wir alle Ausscheidungen von uns geben. Anders formuliert: Auch hübsche Frauen haben Blähungen. Gesundheit, Gerechtigkeit oder Frieden sind Illusionen, die uns eine Vollkommenheit vorgaukeln, die es anzustreben gilt, auch wenn Krankheit, Ungerechtigkeit und Krieg der Normalfall sind. Die wahre Ganzheit besteht folglich in der Anwesenheit von Abweichungen. Unsere Illusionen jedoch täuschen uns vor, dass es eine heile Welt geben könnte. Deshalb passen Krieg und Folter nicht in unser Weltbild. Sie würden unsere Vorstellung von einer funktionierenden Welt zerstören. Wenn jedoch Ungerechtigkeiten Teil aller gesellschaftlichen Systeme sind, lassen sie sich – wie uns vorgespielt wird – nicht partiell abschaffen. Stattdessen müssen Ungerechtigkeiten bestehen bleiben, um das System als Ganzes zu erhalten. Wenn wir also die Ungerechtigkeit für eine soziale Gruppe verringern, muss die Ungerechtigkeit für eine andere soziale Gruppe zunehmen. Alles andere wäre eine Utopie, die zwar nicht der Realität entspricht, uns jedoch den Glauben an die Menschheit erhält. Es könnte sein, dass Mark Twain genau das meinte, als er schrieb „sein Wahnsinn hält ihn bei Verstand“.

Was also folgt daraus?

  1. Akzeptanz von Abweichungen: Wir sollten Abweichungen nicht als negativ betrachten. Krankheiten gehören genauso zur Gesundheit dazu wie Fehler zur Qualität oder kritische Meinungen zum Diskussionen.
  2. Illusionen als Antrieb im Leben: Auch wenn es frustrierend ist zu wissen, dass Illusionen lediglich dazu da sind, in unserem Geist eine Welt aufrecht zu erhalten, die in der Realität niemals genau so stattfinden wird, brauchen wir diese Wunschbilder von einer besseren Welt. Wir brauchen die Vorstellung von Gerechtigkeit am Arbeitsplatz oder die Vorstellung von gleichen Chancen für alle als Antrieb im Leben.
  3. Kompromisse in der Realität: Gleichzeitig brauchen wir die Fähigkeit, Kompromisse in der Realität auszuhandeln. Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Vorstoß einer neuen Gerechtigkeit zu neuen Ungerechtigkeiten führt, ist es wichtig, auf daraus entstehende Machtkämpfe vorbereitet zu sein. Bekommt eine soziale Gruppe neue Privilegien, muss eine andere soziale Gruppe zurückstecken bzw. lernen sich solidarisch zu zeigen.

Mit der Philosophie des Kintsugi zu einem „neuen“ Umgang mit Biographiebrüchen

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Mit Kintsugi zerbrochene Schalen veredeln

In Japan gibt es die Tradition des Kintsugi: Altes wird nicht nur repariert, sondern bekommt durch die kunstvolle Wiederherstellung einen neuen, besonderen Glanz. Antike Schalen steigen damit sogar im Wert (Externer Link: www.japan-budo.com/japanische-antiquitaeten/kintgusi-ko-karatsu.html). Immerhin erforderten sie eine beachtliche Mehrarbeit, Achtsamkeit und Wertschätzung im Vergleich zu einer unzerbrochenen Tasse. Sie sind mit mehr Leben gefüllt, haben mehr erlebt. Sie haben eine Geschichte zu erzählen.

Kintsugi als Metapher

Was würde passieren, wenn wir diese Metapher auf unser Leben übertragen? Auf all unsere Biographiebrüche.

Bei der Übertragung ließen sich folgende Aspekte beleuchten:

  • Worüber sollte ich mich nicht mehr ärgern?
  • Auf welche Weise will ich mit mir selbst wohlwollender umgehen?
  • Was will ich mir selbst verzeihen?
  • Was sollte ich hinter mir lassen?
  • Wofür bin ich im Nachhinein dankbar?
  • Was will ich anderen Menschen vergeben?

Es stellt sich also die Frage, ob sich der Ärger über einen Bruch wirklich lohnt und was ich brauche, um diesen Bruch zu akzeptieren, um einen Neuanfang bestmöglich zu gestalten.

Gleichzeitig wird deutlich: Jeder Mensch ist ein Unikat. Niemand lässt sich einfach so in einem Laden als Massenware erwerben. Was uns stattdessen als Individuen ausmacht, sind nicht nur unsere Erfolge, sondern auch unser Scheitern. Dies erinnert mich an ein Zitat aus dem Song Anthem von Leonard Cohen: “There is a crack in everything. That’s how the light gets in.”

Für einen „neuen“ Umgang mit Fehlern

Verinnerliche ich die Philosophie des Reparierens – die in unserer konsumatorischen Zeit einen sehr negativen Beigeschmack hat – kehre ich langfristig ab vom Diktat des Perfektionismus. Ich versuche dann Fehler nicht mehr zu vermeiden, sondern akzeptiere sie als einen Teil des Lebens. Genau wie wir nicht absichtlich eine schöne Tasse aus unserem Schrank auf den Boden werfen, sondern viele Jahre verhindern, dass dies passiert, akzeptieren wir den Umstand, dass es nun einmal trotz Achtsamkeit eines Tages so weit ist. Dann jedoch behandeln wir die zerbrochene Tasse mit der gleichen Achtsamkeit und Wertschätzung wie zuvor.

Die drei Phasen eines Heilungsprozesses

Was brauchen wir nun – neben den oben genannten Fragen – um sich selbst oder sich gemeinsam in einem Workshop zu reparieren?

Zuerst einmal finde ich den DIY-Gedanken spannend. Wir brauchen keinen großen Meister. Es braucht Achtsamkeit, Wertschätzung, Geduld und sicherlich viel Übung, um eine Schale und im übertragenen Sinn sich selbst zu reparieren. Und natürlich braucht es ein paar Materialien. Der wichtigste Faktor ist jedoch man oder frau selbst.

Was also brauchen wir zur Heilung unserer Brüche und Narben?

Wie so oft im Leben lässt sich ein Heilungsprozess, der auch sehr gut als Multi-Impact-Coaching-Tool eingesetzt werden kann in mehrere Phasen einteilen:

Phase 1: Das Zusammenfügen

MaterialienÜbertragung
HandschuheBei welchen Themen sollte ich besonders achtsam, wertschätzend und vorsichtig mit mir umgehen?
Zwei-Komponenten-KleberWas hält mich noch oder wieder zusammen? Was brauche ich, um wieder ganz zu sein?
ModelliermasseWoraus ziehe ich eine Erkenntnis? Was kam durch den Bruch Neues in mein Leben? Woran bin ich gewachsen?

Phase 2: Die Feinarbeit

MaterialienÜbertragung
Grobes und feines SchleifpapierManche Komponenten unseres Lebens lassen sich leicht reintegrieren. Andere brauchen erst einen neuen Schliff. Ich kann daher das Abgebrochene als ehemaligen Teil von mir betrachten, der erst reintegriert werden kann, wenn mir die Bedeutung für mich bewusst wird.
ReinigerNach einer Reintegration braucht es manchmal eine Reinigung, beispielsweise im Rahmen eines Rituals, um Wut, Ärger und Enttäuschungen loszulassen. Erst dann wird das Abgebrochene als Teil von uns akzeptiert. Was will ich mir also selbst verzeihen? Wovon will ich mich selbst freimachen und reinigen?

Phase 3: Verschönerung

Bauschiger PinselManche Themen erfordern einen robusten Umgang im Sinne eines „Schwamm drüber und weiter machen“. Hierzu passt die Frage nach der Vergebung und dem Abhaken.
Spitzer PinselAndere Themen erfordern eine filigrane Behandlung. Hier geht es um die Details.
Gold- und SilberfarbeWas verleiht mir sogar einen neuen Glanz? Worauf kann ich wirklich stolz sein?
Verschiedene FarbenManchmal möchte man seine Brüche, Narben und Wunden bunt anmalen, um seine Einzigartigkeit zu feiern. In diesem Sinne kann ich auch dankbar für meine neue Buntheit sein.

Übung „Mit Rollen spielen“

Diese Übung soll Ihnen helfen, sich insbesondere als neue Führungskraft Ihre (insgeheimen) Aufgaben und Rollen zu verdeutlichen und gerade schwierige Rollen leichter anzueignen.

1. Ober- und Unterrollen: Um welche Ober- und Unterrollen handelt es sich. In einem Führungscoaching arbeiteten wir bspw. zu der Oberrolle Führungskraft die Unterrollen Leistungsträger, loyaler Angestellter, Beschützer, Fels in der Brandung, Dolmetscher (bei Veränderungen), Kumpel und Coach heraus. Diese Unterrollen ergeben sich sowohl aus eigenen Erwartungen an sich selbst, als auch aus Erwartungen von Mitarbeiter*innen sowie aus der Unternehmens- bzw. -Organisationssicht.

2. Klare (Unter-) Rollen: Welche Rollen stehen für sich, sind in sich stimmig oder leicht umzusetzen? Meist handelt es sich dabei um Rollen, die bereits klar definiert wurden, beispielsweise weil sie ein eindeutiger Teil des Aufgabenbereichs einer Führungskraft sind oder weil sie der eigenen Persönlichkeit entsprechen. Im besagten Beispiel waren dies die Rollen Kumpel, loyaler Angestellter und Leistungsträger. Der Kumpel ist für viele Führungskräfte, die intern aufgestiegen sind, eine Rolle, die sie bereits kennen und daher nicht mehr klarer definiert werden muss. Der Leistungsträger und Angestellte wird hingegen idR. von der Organisationsseite als eindeutige Erwartung definiert.

3. Unklare (Unter-) Rollen: Welche Rollen sind weniger klar definiert oder fallen der Person schwerer? Im unserem Beispiel waren das die Rollen Beschützer, Fels in der Brandung, Dolmetscher und Coach.

4. Kernelemente der unklaren Rollen: Jetzt stellt sich die Frage, was eine bestimmte Rolle ausmacht? Solche Kernelemente einer Rolle lassen sich am besten über Haltungen definieren wie Gelassenheit, Respekt, Geduld, Beharrlichkeit, Durchsetzungsvermögen, Ehrlichkeit, Offenheit, Vertrauen, usw.

(Unter-) RolleKernelement / Haltung
BeschützerTapferkeit
Fels in der BrandungRuhe, Gelassenheit
DolmetscherSachlichkeit
CoachRespekt, Beharrlichkeit, Geduld

5. Vorbilder für die unklaren Rollen: Anschließend werden Vorbilder aus der Literatur, Filmen, usw. für die unklaren Rollen gesucht, die zu den Haltungen passen. Wieder an unserem Beispiel:

(Unter-) RolleHaltungenVorbilder
BeschützerTapferkeitHeld
Fels in der BrandungRuhe, GelassenheitGuru
DolmetscherSachlichkeitTagesschausprecher
CoachRespekt, Beharrlichkeit, GeduldPanzerknacker

Manchmal sind die Vorbilder sehr eindeutig. Bei Ruhe drängt sich ein meditierender Guru geradezu auf. Manchmal ist es jedoch hilfreich, mit einem Vorbild zu spielen. Der Panzerknacker als Coach mutet auf den ersten Blick seltsam an. Wenn wir uns jedoch klar machen, dass ein klassischer Panzerknacker ein sehr feines Gehör und Gespür haben sollte, um einen Tresor zu öffnen, ist der Vergleich durchaus stimmig. Dazu passt auch der ehrfürchtige Respekt, der manchmal in Heist-Filmen gegenüber bestimmten Fabrikaten von Tresoren geäußert wird, passt in dieses Bild. Die Regel hier scheint zu lauten: Einfache Exemplare kann jeder öffnen. Aber für besondere Exemplare (Mitarbeiter*innen) braucht es Spezialisten.

6. Elemente der Rollenübernahme: Um eine Rolle zu spielen oder besser noch mit einer Rolle zu spielen, ist es wichtig, sich die Körpersprache und Accessoires der Vorbilder zu eigen zu machen. Dabei handelt es sich mitnichten um die komplette Imitation des Vorbilds. Vielmehr werden einzelne Elemente heraus gepickt, die zum einen für einen selbst essenziell sind und an denen zum anderen ganze innere Welten anhängen. Wenn wir beispielsweise die Becker-Faust machen und „Ja“ sagen, hängt ein ganzes System des Triumphs an dieser Geste. Wir suchen uns folglich eine Geste, eine Körperhaltung, einen Blick, einen Spruch oder auch ein bestimmtes Accessoire, bspw. einen Schal, aus, um zu ergründen, welche neuen Welten uns dieses Symbol eröffnet.

(Unter-) RolleVorbilderGesten, Körperhaltungen, …
BeschützerHeldAufrechte Haltung, Handgeste als Stop-Signal
Fels in der BrandungGuruMehr bei sich sein, als bei anderen bzw. in sich ruhen, mehr fragen als aussagen
DolmetscherTagesschausprecherAufrechte Haltung, langsame, beinahe monotone Sprache und Sätze
CoachPanzerknackerFokussierter Blick, offene Augen, schräge Kopfhaltung, um genauer hinzuhören

7. Üben und anpassen: Da noch nie im Leben ein Meister vom Himmel gefallen ist, gilt es, diese Gesten, Körperhaltungen, usw. immer wieder zu üben, dabei jedoch, um authentisch zu bleiben, nicht zu übertreiben und stattdessen lediglich das zu übernehmen, was mir selbst am leichtesten fällt. Es geht also nicht darum, zu einem Helden, Guru, Tagesschausprecher oder Panzerknacker zu werden, sondern darum, den kleinen Helden, usw. in sich zu entdecken. Dafür reicht bereits eine kleine, pointierte Handgeste als Stop-Signal oder ein fokussierter Blick in den jeweiligen Situationen aus.