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Wissenstransfer ist sexy

Bevor ich das Geheimnis hinter der provokativen Aussage ‚Wissenstransfer ist sexy‘ lüfte, muss ich ein wenig weiter ausholen, indem ich erläutere, wie unsere täglichen Interaktionen aussehen.

50% unseres täglichen Miteinanders bestehen aus dem Austausch von Geschenken, d.h. Tätigkeiten oder ‚Dienstleistungen‘, die freiwillig erbracht und nicht bezahlt werden wie z.B. Hausarbeiten oder auch dem Austausch von Wissen. Die anderen 50% bestehen aus dem Austausch von Waren bzw. Tätigkeiten und Dienstleistungen, für die bezahlt wird. Die Unterschiede dieser beiden Arten der Interaktion gehen deutlich aus einem Vergleich hervor:

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Geschenke funktionieren nach dem Prinzip des egoistischen Altruismus: Ich leiste etwas, das ich sehr gut kann. Ich kann es mir zeitlich oder finanziell leisten, diese Zusatzleistung für andere zu erbringen und baue mir so ein Netzwerk der Gegenseitigkeit auf. Ich rechne zwar nicht sofort mit einer Gegenleistung. Stellen Sie sich vor, Sie würden einem Freund beim Umzug helfen. Es wäre doch sehr seltsam, dafür am Ende bezahlt zu werden. Sie erwarten allenfalls am Abend eine Pizza, aber mehr erstmal nicht. Langfristig jedoch rechnen Sie natürlich bewusst oder unbewusst mit einer Wiedergutmachung, v.a. dann, wenn Sie Hilfe brauchen. Dieser Austausch von Tätigkeiten mit einer zeitlich verschobenen Zurückzahlung schweisst unsere Welt stärker zusammen, als es die anonyme Marktwirktschaft jemals schaffen könnte.

Geschenke verpflichten uns im Sinne eines sozialen Netzwerks über die Familie hinaus, während der Markt uns lediglich mit einer Masse an täglichen Ge- und Verbrauchsgegenständen versorgt. Der Vorteil daran: Ich kann jederzeit, ohne den Zwang einer Wiedergutmachung kaufen, was mir beliebt. Zudem erscheint auf den ersten Blick der Austausch von Waren eine faire Sache: Alle bezahlen gleichviel. Der Preis einer Ware ist schließlich nicht von den kaufenden und verkaufenden Personen abhängig, sondern vielmehr von einer Masse unsichtbarer Faktoren wie gesellschaftlichen Stimmungen, Angebot und Nachfrage, Fußballergebnisse, politische Beziehungen, usw.

Doch dieser Vorteil greift nur bei festen Waren und unpersönlichen Dienstleistungen. Für viele andere Tätigkeiten, z.B. im Wissenschaftsbereich, erscheint der Warenbegriff wenig praktikabel. Stellen Sie sich vor, das Wissen um bestimmte Garzeiten eines Gerichts wäre exklusiv. Sie würden daher dieses Wissen nicht einmal käuflich erwerben können, da ja dann die (berechtigte) Gefahr bestünde, dieses Wissen weiterzugeben. Sie müssten also immer, wenn sie kochen wollen, jemanden kommen lassen, der dies für Sie erledigt. Noch dazu müssen Sie vertrauen in diesem jemand haben, dass er auch in Ihrem Sinne handelt. Wenn das Wissen über Garzeiten jedoch frei verfügbar ist, werden Massen von Menschen dieses Zeiten testen und gegebenenfalls modifizieren. Vertrauen ist folglich nicht mehr nötig.

Waren sind jedoch nur einmal vorhanden. Wenn sie verkauft werden, sind sie weg. Wissen hingegen kann immer wieder weitergegeben werden. Es kann 1 zu 1 kopiert werden und wird dadurch eher noch wertvoller bzw. wird an verschiedene Eventualitäten (Herd, Kochgut, Kopftopf, …) angepasst, wie das Beispiel der Garzeiten zeigt. Ein gutes Beispiel eigentlich aus der Warenweltsind Open Source-Plattformen. Hier arbeiten Programmierer an Programmen wie Open Office oder Linux. Umsonst? Nein! Doch statt Geld bekommen sie Anerkennung und Prestige in der Welt des Wissens. Dafür dürfen sie freilich nicht anonym bleiben. Wissensaustausch muss immer in der Öffentlichkeit stattfinden. Ansonsten gibt es keine Lorbeeren. Der Wissensaustausch ist folglich wie geschaffen für den Aufbau persönlicher Netzwerke. Netzwerke, die ganz konkret dazu führen, sich sogar in naher Zukunft einen Job zu verschaffen. Ein Beispiel: Katrin Bauerfeind hat ihre Karriere im Internet mit der Satire Ehrensenf begonnen (als Geschenk für jeden, der Youtube schaut). Kurz darauf wurde sie im Fernsehen (u.a. bei Harald Schmidt) bekannt. Daher kann Altruismus im Kultur-, Kreativ- und Wissensbereich immer auch als Visitenkarte betrachtet werden.

Und wie schaut es mit der Leistung dieser ‚Geschenke‘ aus? Kann ich professionell, d.h. von bezahlten Entwicklern erstellten Programmen nicht mehr vertrauen als den Erzeugnissen von Hobby-Programmierern?

Stellen Sie sich einfach vor, Sie würden 8 Stunden am Tag ein Programm entwickeln. Ihren Lohn bekommen Sie so oder so. Ab und an kommt zwar Ihr Chef vorbei und macht ein wenig Druck. Aber Lohnkürzungen sind doch eher selten. Stellen Sie sich nun alternativ dazu vor, Sie würden sich nach Feierabend, weil es Ihnen Spaß macht, an den Computer setzen und versuchen das Problem eines bereits vorhandenen Programms zu lösen. Was wäre, wenn Sie es lösen könnten? Als erster? Geld gibt es keines. Aber Ehre und Ruhm in der ‚Community‘. Welches Szenario würde Sie selber mehr motivieren?

Wenn wir dieses Szenario auf Firmen übertragen, kommt noch ein entscheidender Faktor hinzu: In einem 100-Personen-Unternehmen verfügt ein Mitarbeiter sagen wir der Einfachheit halber über 1% exklusives Firmenwissen. Dieses Wissen exklusiv zu halten hat den egoistischen Vorteil, es einzusetzen, um seine Karriere voranzutreiben. Wenn Mitarbeiter ihr Wissen jedoch weitergeben, öffnen sie damit die Pforten, dass andere ihr Wissen auch preisgeben, wodurch langfristig bestenfalls alle über alles Wissen verfügen werden. Damit wird der egoistische Vorteil für einen gemeinschaftlichen Vorteil geopfert. Und mehr noch: Ich alleine würde mit meinem isolierten Wissen vielleicht kurzfristig Karriere machen. Langfristig jedoch ist es ebenso egoistisch, Wissen zu teilen, um wiederum …

  • an weiteres Wissen zu kommen,
  • die Qualität und Stabilität der Wissensbasis zu erhöhen, indem andere Mitarbeiter das Wissen kontrollieren, in andere Zusammenhänge bringen und damit evaluieren und
  • damit das Unternehmen selbst langfristig stabilisieren und so zur Erhaltung des eigenen Arbeitsplatzes führen.

Wenn das mal nicht zutiefst egoistisch ist?

Damit sehen wir, dass der Austausch von Wissen wichtig ist, um Unternehmen am Leben zu erhalten. Das klingt zwar logisch, aber nicht unbedingt sexy! Folglich muss es laut meiner Eingangsthese noch etwas anderes geben: Und damit sind wir bei dem Thema Altruismus als Überschussaktion: Wenn ich es mir leisten kann (und intelligent genug bin), die Zeit aufzubringen, indem ich anderen mit meinem Wissen bei deren Problemen helfe, zeugt dies von einem Energieüberschuss und wirkt damit als Signal für große Potentiale und langfristig als Visitenkarte und Empfehlung für Höheres. Ursprünglich empfehlen sich Menschen auf diese Weise anderen Menschen, um bewundert zu werden, bestenfalls von einem oder einer (möglichen) Partner/in. Bei (börsennotierten) Kurzzeitbeziehungen wirken risikoreiche Aktionen attraktiver. Bei langfristigen Aktionen allerdings wirken altruistische Aktionen attraktiver (und damit sexyer).

So weit so gut. Altruismus – und sein Wissen anderen freiwillig als Geschenk preiszugeben – besitzt also im Rahmen einer langfristigen Beziehung einen gewissen Sexappeal. Ergo sollte es das natürlichste auf der Welt sein, Wissen freigiebig zu teilen. Doch wie wir alle wissen, ist dem nicht so. Woran das liegt, wird Gegenstand eines anderen Artikels in naher Zukunft sein.

Dennoch können uns Populationsentwicklungsstudien versöhnlich stimmen: Nehmen wir zwei Abteilungen in einem beliebigen Unternehmen. In der einen Abteilung gibt es mehr Altruisten, in der anderen mehr Egoisten. Die Folge: die altruistische Abteilung wird wesentlich schneller wachsen und mehr Erfolge einheimsen als die egoistische, da untereinander mehr Vertrauen herrscht, wodurch Prozesse schneller ablaufen (u.a. durch weniger Kontrollen). Zwar werden auch innerhalb dieser Gruppe Egoisten zunehmen, um bei den Altruisten zu wildern, wodurch Egoisten langfristig prozentual zunehmen werden. Dennoch werden insgesamt, d.h. in beiden Gruppen zusammengenommen langfristig zahlenmäßig mehr Altruisten hinzukommen. Ganz nebenbei zeigt sich auch: Wer es schafft, innerhalb einer Horde von Egoisten als Altruist einen guten Stand zu haben, verfügt offensichtlich über eine ganze Menge Kraftreserven, was ihn auch wieder sexy erscheinen lässt. Es lohnt sich also, auf der richtigen Seite zu stehen.

 

Literatur: Tor Norretranders – Über die Entstehung von Sex durch generöses Verhalten

Persönliche Kooperationskompetenz

Wie wichtig Kooperationen sind, habe ich in den vorangegangenen Artikeln umfangreich beleuchtet. Heute soll es um die Frage gehen:

„Wie steht es mit meiner Kooperationskompetenz?“

An diesem Aufhänger hängen nun wiederum weitere Fragen, die da wären:

  • Warum sollte jemand mit mir kooperieren?
  • Warum sollte jemand sein Wissen mit mir teilen?
  • Warum sollte mir jemand vertrauen?
  • Wie wirke ich auf andere, um dieses Vertrauen zu bekommen?
  • usw.

Wenn wir das Phänomen Kooperationsfähigkeit einmal beleuchten, kommen wir auf drei wesentliche Komponenten, warum Menschen eine Geschäftsbeziehung miteinander eingehen oder auch warum innerhalb eines Unternehmens die einen Kollegen zusammenarbeiten, während es andere nicht tun:

  1. Unabdingbar steht an erster Stelle die Kompetenz bzw. das Wissen, das ich habe oder eben nicht habe. Dieses Wissen entscheidet darüber, ob mein Gegenüber in mir einen Mehrwert sieht oder nicht. Leider können Sie aus dem Äußeren Ihres Gegenübers nur bedingte Schlüsse ziehen. Zu oft greift hier der sogenannte Halo-Effekt, indem von Doktor-Titeln, teuren Autos oder schicken Anzüge Kompetenzen abgeleitet werden. Doch wenn der Doktor-Titel weg ist, erscheinen manche Personen in einem ganz anderen Licht. Genau der gegenteilige Effekt ist vor unzähligen Jahren mit einem jungen Mann passiert, der von hochrangigen IBM-Managern als Programmier-As gecastet werden sollte. Der junge Mann kam ihnen während ihres Gesprächs nun doch als zu seltsam vor. Heute hieße es: ein echter Nerd. Mit so einem konnten sie sich eine Zusammenarbeit kaum vorstellen. Wahrscheinlich sprach hier der sogenannte Teufelseffekt (das Gegenteil vom Halo-Effekt) gegen eine Kooperation: Längere Haare, Pizzakartons und eine gewisse Verschrobenheit sprachen damals eher gegen große Kompetenzen. Heute sind wir alle ein weniger klüger (oder?). Der junge Mann hieß übrigens Bill Gates und hatte offensichtlich ein Handicap, das ihm kurzfristig schadete, aber langfristig nutzte!
  2. Aber vielleicht war es auch gar nicht die fehlende Kompetenzerwartung, sondern der ‚Kampf der Kulturen‘, womit wir bei der zweiten Ebene der Kooperationsfähigkeit sind: Sympathie und Offenheit. Nachdem ich dieses Thema v.a. von der Seite der Körpersprache aus schon intensiv beleuchtet habe, möchte ich an dieser Stelle untersuchen, was Sie tun können, um anderen die Entscheidung, mit Ihnen zu kooperieren leichter zu machen:
  • Als erstes ist es wichtig, die eigene Wahrnehmung stärker in Richtung Chancen und Möglichkeiten zu lenken, anstatt nur Probleme und Schwierigkeiten zu sehen. Die Welt ist nicht rosarot. Aber dennoch werden Sie in jedem Ihrer möglichen Partner eine Seite finden, der Sie etwas abgewinnen können. Und wenn Sie es außerdem schaffen, in jedem Problem eine Chance zu sehen, haben Sie bereits viel gewonnen. Auch hier lohnt sich ein Blick in Richtung Evolutionsbiologie: Die evolutionsbiologische Sichtweise von Parasiten betrachtet diese nämlich als Zwang, sich weiterzuentwickeln, um in der Zukunft besser mit solchen Angriffen umgehen zu können.
  • Ebenso wichtig ist eine allgemeine Offenheit und Neugier. Lassen Sie genügend Raum für die Ideen anderer? Fragen Sie, z.B. mit offenen W-Fragen, nach, wie die Sichtweise Ihres Gegenübers aussieht? Oder haben Sie bereits eine feste Meinung von allem? Natürlich ist dies immer von der Situation abhängig. Denn auf der einen Seite sollen Sie (als Experte) Kompetenz ausstrahlen, auf der anderen Seite aber genug Raum für die Meinungen anderer lassen. Aus diesem Dilemma gibt es einen eleganten Ausweg: Wissen ist immer kontextabhängig. D.h.: Sie können immer nur Experte für ein Wissen sein, das im Rahmen Ihres Unternehmens oder Ihrer Abteilung Sinn macht. Wie dieses Wissen auf das Unternehmen oder die Abteilung Ihres Partners oder Kollegen übertragbar ist, können Sie kaum wissen. Sie können Vermutungen anstellen, aber mehr auch nicht. Dies kann enorm entspannend wirken, wenn Sie sich eingestehen, dass Sie nicht alles wissen können. Doch genau das macht Sie sympathisch. Konkret bedeutet dies: Andere ausreden lassen, sie ernst nehmen, aktiv und aufmerksam zuhören (sich z.B. auch den Namen Ihres Gegenübers zu merken) oder Hierarchien vermeiden.
  1. Kommen wir nun zum dritten Punkt, ohne den die beiden anderen eine Farce wären: Ehrlichkeit, Echtheit, Authentizität, Verlässlichkeit,Transparenz und speziell für Führungskräfte noch die Fairness. Dieses Sammelsurium an Eigenschaften ist viel weniger bunt, als es im ersten Moment erscheint. Denn letztlich haben all diese Eigenschaften ein Ziel: Vertrauen zu schaffen. Was nutzt es schon, wenn ich jemanden sympathisch finde und auch weiss, dass eine Kooperation inhaltlich sehr fruchtbar sein könnte, wenn mich nicht darauf verlassen kann, dass er auch sein Wort halten wird. Damit wird dieser Punkt aber auch zum schwersten, da wir uns hier auch mit unseren Schwächen auseinandersetzen müssen. Ansonsten würden Sie anderen etwas (hochtrabend) versprechen, das Sie später nicht halten können. Dieser Punkt beinhaltet ebenso die Fähigkeit, Schwachstellen und Hindernisse anzusprechen, die andere nicht sehen wollen. Ehrlichkeit ist eben nicht immer bequem. Doch wie ein weiser alter chinesischer Spruch besagt, ist ‚Ehrlichkeit ohne Liebe (in unserem Fall eher Diplomatie) Brutalität‘. Dies sollte folglich keine Lizenz zum Querschießen sein. Und schließlich fällt hierunter auch ein so banaler Punkt wie Pünktlichkeit. Denn Pünktlichkeit ist streng genommen kein Zeitmanagementproblem, sondern eine Frage der Prioritäten, des Willens oder auch des rechtzeitigen ‚Nein-Sagens‘.

Vertrauen vs. Misstrauen

Vertrauen kann eine Menge Zeit sparen. Sicher: es ist nicht immer leicht, Vertrauen in Kollegen oder Mitarbeiter zu haben. Doch wenn es funktioniert spart es Zeit und Geld durch weniger Kontrollen und Regelungen. Und: Wenn Führungskräfte Ihren Mitarbeiter/innen Vertrauen entgegen bringen, unterstützt dies die Gestaltungsfreiheit und damit den Flow Ihrer Mitarbeiter/innen. Zudem sieht die Alternative des Misstrauens nicht eben berauschender aus: vertrauen heuristik

Wenn Sie als erster anderen Vertrauen entgegen bringen, können Sie natürlich auch auf Misstrauen der anderen Seite stoßen. Diese Ent-Täuschung kann allerdings dazu führen, dass sich Ihr Gegenüber geschmeichelt und verpflichtet fühlt, seine Schuld auch einzulösen. Jeder, der schon mal einen solchen Vorschuss bekam (einen Kredit, ein Buch bei ebay, das er erst später bezahlen musste, …), weiss um dieses Wiedergutmachungseffekt.

Natürlich kann es auch zu einer Überforderungssituation kommen. Diese kann jedoch leicht im Rahmen von offenen Feedbackgesprächen geklärt werden.

Die andere Seite sieht weniger rosig aus, da hier in jedem Fall ein (gemeinsamer) Misserfolg vorprogrammiert ist. Spannend in diesem Fall ist auch hier wieder die Ent-Täuschung des Mitarbeiters, der sich wie Kain fühlt, dessen Opfer Gott nicht annehmen wollte. Die Folgen: Scham, die in Schuld umgewandelt wurde. Der Totschlag Abels ist schließlich nicht so weit entfernt von dem Verhalten eines Mitarbeiters nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, …

Dies soll weder die eine noch die andere Reaktion entschuldigen, sondern lediglich die psychologischen Mechanismen verdeutlichen.

Fazit: Mit Misstrauen verlieren Sie immer. Mit Vertrauen besteht zumindest eine gute Chance auf einen gemeinsamen Erfolg.

Damit Sie diese Chance auch gut nutzen können, sollten Sie zudem die folgende Balance im Auge behalten:vertrauen

Dabei gilt: Eine große Portion Vertrauen und eine kleine Portion Feedback sollten immer an erster Stelle stehen. Wenn Ihr Vertrauen missbraucht wird, können Sie immer noch die Zügel enger ziehen und dies am besten schnell. Nach einer Weile können diese dann wieder lockerer gelassen werden, um dem anderen noch eine zweite Chance zu geben.

Vorsicht, Triangulation!

Stellen Sie sich vor, es ist Mittwoch morgen und Sie sitzen als Führungskraft an Ihrem Schreibtisch. Da klopft es an Ihrer Tür und anschließend tritt ein aufgeregter Mitarbeiter, nennen wir ihn X, herein und beklagt sich über einen Kollegen, nennen wir ihn Y. Die Absicht ist klar: X will Sie auf seine Seite ziehen. Sie sollen Y mal die Leviten lesen, weil dieser viel weniger leistet als X. Das wussten Sie bereits, die Dimensionen und die Auswirkung auf die Stimmung im Team waren Ihnen allerdings bisher noch nicht so klar wie jetzt in diesem Moment. Und da es Ihre Aufgabe als Führungskraft ist, ‚das Schiff wieder auf Kurs zu bringen‘ und Sie auch bereits eine Idee haben, machen Sie sich auf, um die Sache in die Hand zu nehmen.

Vorsicht, Triangulation!

Diese klassische Situation kennen Sie sicherlich in der einen oder anderen Version nur zu genau. Mit Hilfe desDrama-Dreiecks aus der Transaktionsanalyse lässt sich verdeutlichen, wie leicht v.a. Führungskräfte dazu manipuliert werden, in einen Konflikt, den Mitarbeiter untereinander haben, hineingezogen triangulation.jpgzu werden. Das Drama-Dreieck greift dabei auf drei Rollen aus der Transaktionsanalyse zurück:

  • Ankläger (in der Transaktionsanalyse das strafende Eltern-Ich),
  • Retter (das fürsorgliche Eltern-Ich) und
  • Opfer (das entweder unterwürfige oder trotzige Kind).

Diese drei Typen haben Ihren Ursprung in unserem biologischen Gerüst, das ich bereits im Rahmen des ThemasKooperationen verdeutlicht habe.

Wenn wir nun wieder an unsere Situation denken wird deutlich: Hier gibt es einen Ankläger (X) und ein Opfer (Y). Was noch fehlt ist der Retter. Und den sollen offensichtlich Sie spielen.

Aber Halt! So einfach ist es nun doch nicht. Denn die Rollen in Konflikten besitzen die Eigenschaft zu wandern. D.h. Y war vielleicht früher auch Ankläger oder Täter, und wenn nur, weil er weniger leistet als die anderen. X wurde damit durch seine Mehrarbeit zum Opfer. Wenn Sie nun die Rolle des Retters für X übernehmen, werden sie gleichzeitig zum Ankläger von Y. Damit befinden Sie sich sehr schnell in einem Spiel, das Sie bald nicht mehr im Griff haben. Denn auch Y könnte, wenn Sie X (oder das Team) retten wollen, zum Ankläger von Ihnen werden. Und X könnte Sie später ebenso anklagen, wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr so beherzt eingreifen wie jetzt.

Was hier folglich fehlt ist das reife Erwachsenen-Ich, das weder anklägt, noch trotzt, noch flüchtet, noch beschützt, sondern seinen eigenen Beitrag im System sieht und für sein Handeln die Verantwortung übernimmt. Wir könnten auch sagen: Es fehlt ein Regisseur, der zwar Prozesse anstößt, aber dennoch im Hintergrund bleibt.

Lösungsansätze

Führungskräften bieten sich als Regisseur folgende Lösungsansätze, um die verschiedenen Parteien zurSelbstverantwortung zu bewegen:

  • ‚Opfer‘ brauchen Sicherheit. Am besten funktionieren hier eine Art Verselbständigungs- und Empowerment-Plan mit einem lösungsorientierten Ansatz: In welchen Bereichen sind bereits Kompetenzen vorhanden? Was kann das ‚Opfer‘ bereits gut? Was kann stufenweise aufgebaut werden? Damit wird deutlich, dass ‚Opfer‘ nicht mit Samthandschuhen angefasst werden sollten. Dies würde Reifungen und Selbstverantwortung eher verhindern als fördern.
  • Ankläger brauchen Verantwortung. Wo können sie diese bekommen und wo ist ein übertriebener Einsatz von Macht in seiner Wirkung Fehl am Platz? Ein sehr guter Ansatz ist die Unterscheidung von Absicht und Wirkung: Eine Mitarbeiterin, die häufig Fehler macht noch mehr unter Druck zu setzen, damit die Fehler aufhören ist von der Absicht nachvollziehbar. Die Wirkung allerdings ist idR wenig berauschend.
  • Retter (oftmals finden sich auch in Teams eine Menge Retter) brauchen die Einsicht, dass ihr Retten das Opfer in die Abhängigkeit treibt. Auch hier verfehlt das gutgemeinte Handeln (die Absicht) meist seine Wirkung. Dennoch könnte der Retter aufgrund seiner Empathiefähigkeit Hilfestellungen bei der Erfüllung eines Stufenplans übernehmen.

Feedback als Egoismus?

Das etwas andere Feedback

Der Mediator und Begründer der Gewaltfreien Kommunikation Marshall B. Rosenberg erzählte einmal eine Anekdote, wie der Teilnehmer eines Seminars nach dem Training auf ihn zukam und meinte:“Marshall, You are great!“

Rosenberg erwiederte darauf ganz trocken:“Doesn’t help!“

Nachdem der Teilnehmer ein wenig perplex vor dieser unerwartet rüden Rückmeldung stand, hakte Rosenberg nach:“Was habe ich getan, um Dir Dein Leben zu erleichtern? Anders formuliert: Welches Bedürfnis konnte ich bei Dir befriedigen, damit Du Dich jetzt wohler als zuvor fühlst?“

Will sagen: Wir sind nicht einfach nur großartig. Wir sind nicht einfach nur Führungskräfte. Wir sind gut, weil wir etwas bestimmtes tun, das anderen hilft, besser mit Ihren Aufgaben zurechtzukommen.

Nach dieser Definition ist eine gute Führungskraft jemand, der seinen MitarbeiterInnen genau die Anweisungen, Anleitungen, Hilfestellungen, Rückmeldungen oder Zuhöreinheiten gibt, die dieser Mitarbeiter braucht, um sich sicher zu fühlen, Klarheit über einen Prozessablauf zu haben, sich beteiligt zu fühlen oder seine Ideen anbringen zu können.

Wenn wir diesen Zusammenhang umdrehen, wird deutlich, dass auch MitarbeiterInnen etwas geben können (und natürlich sollten), dass Ihnen Ihre Arbeit erleichtert. Auch MitarbeiterInnen haben etwas zu bieten, das Ihren Bedürfnissen nach guter Leistung, hoher Qualität, langfristigen Kundenbindungen, Kreativität oder Arbeitsentlastung zupass kommt.

Damit wird auch deutlich, dass Feedbacks immer eine egozentrische Angelegenheit sind. Sie geben jemandem eine Rückmeldung, weil er etwas getan hat, das nach Ihren Maßstäben gut war. Und warum war es gut? Weil Sie nicht mehr nachkontrollieren müssen! Weil Sie erleichtert sind, diesem Mitarbeiter vertrauen zu können, usw. Damit haben Sie eine Menge Zeit gespart und werden auch in Zukunft viel viel Zeit sparen. Keine Anrufe mehr nach Dienstschluss. Und kein kleinliches 10-mal-am-Tag-Nachhaken, um sicher zu gehen, dass ein Key-Account-Kunde auch wirklich zufrieden ist. Damit wurden ganz klar verschiedene Bedürfnisse von Ihnen befriedigt: Bedürfnisse nach Sicherheit, nach Klarheit, nach Verlässlichkeit, nach Leistung, usw.

Diese Bedürfnisbefriedigungen im Sinne eines „Danke, dass ich mich auf Dich verlassen kann“ lassen sich wiederum wunderbar in eine Rückmeldung einbauen.