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Brauchen wir Religion, um moralisch gut zu sein?

Bild von Rochak Shukla auf Freepik

Ein Team um den kanadischen Psychologen Ara Norenzayan testete anhand von Priming-Experimenten die unbewusste Wirkung religiöser Begriffe auf die Entscheidungen einer Gruppe von Menschen, von denen lediglich 50% behaupteten, religiös zu sein (nachzulesen in Frans de Waal: Der Mensch, der Bonobo und die 10 Gebote, Klett-Cotta, 2015, S. 294ff).

Während der eine Teil der Versuchspersonen einen Text bearbeitete, in dem Wörter wie „Gott“, „göttlich“ oder „Prophet “ vorkamen, fehlten solche Begriffe bei der Kontrollgruppe (das klassische Priming-Setting). Anschließend wurden 10 Ein-Dollar-Münzen auf den Tisch gelegt, von denen die Proband*innen für sich nehmen konnten wieviel sie wollten. Was sie jedoch nicht nahmen, bekam ihr/e Nachfolger/in.

Das Ergebnis war beeindruckend: Während in der Gottes-Gruppe im Durchschnitt 4,22 $ zurückblieben, waren es in der nichtgebahnten Gruppe lediglich 1,84 $.

Vermutlich dachte die Gottes-Gruppe an einen unsichtbaren Gott, der über ihre Taten richtet, was sie zu altruistischeren Handlungen verleitete. Eine solche Sichtweise deckt sich mit der geschichtlichen Entstehung von Religionen zu einem Zeitpunkt, an dem Gemeinschaften so groß wurden, dass direkte Verbindungen nicht mehr so einfach möglich waren. Da Herrscher nicht jede Fehltat kontrollieren lassen konnten, brauchte es eine unsichtbare Kraft, um Recht, Ordnung und Moral auch ohne staatliche Sanktionen aufrecht zu erhalten.

In einer weiteren Studie tauschten sie die Gottes-Begriffe gegen Begriffe wie „gutbürgerlich“, „Staatsbürger“, „Geschworene“ und „Gericht“ aus. Der Effekt war derselbe wie bei den Gottes-Begriffen.

Das simple Fazit daraus lautet: Religionen erfüllen durchaus ihren Sinn in einer Gesellschaft, weil sie uns dabei helfen, uns moralisch gut zu verhalten. Sollten Religionen jedoch in mehr und mehr sakularisierten Gesellschaften abgeschafft werden, braucht es die gesellschaftliche Akzeptanz anderer Instanzen, um das Bewusstsein für eine ordnende Kraft zu fördern, damit wir nicht allzu egoistisch verhalten und gut miteinander umgehen.

Geben und Nehmen

Buchhinweis: Adam Grant – Geben und Nehmen

Das Vorurteil, Nehmer in Führungspositionen würden grundsätzlich besser fahren und schneller Karriere machen, scheint kaum auszurotten. Wie erfreulich ist da das Buch von Adam Grant, um genau dieses Vorurteil zu widerlegen. Es stimmt schon: Führungskräfte, die mehr auf den eigenen Vorteil bedacht sind machen tatsächlich schneller Karriere. Doch langfristig sieht die Sache anders aus wie diverse im Buch erwähnte Studien belegen. Denn die selbstloseren Geber arbeiten kontinuierlich an ihren Netzwerken und bauen damit soziale Beziehungen auf, die ihnen später helfen, in Führungspositionen zu kommen und v.a. diese auch zu halten. Dabei sind allerdings zwei Aspekte wichtig:

1. Die Geber dürfen keine Tauscher sein. D.h. sie dürfen nicht im Akt des Gebens bereits an eine Wiedergutmachung denken. Dies wird von der Gegenseite schnell erkannt und vergiftet entsprechend die soziale Atmosphäre.

2. Die Geber dürfen sich nicht aufopfern, sondern müssen die Balance zwischen Geben und der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit kennen und achten. Andernfalls werden sie zu Opfern skrupelloser Nehmer, was wenig attraktiv ist.

Ein absolut empfehlenswertes Buch!

http://www.amazon.de/Geben-Nehmen-Erfolgreich-Vorteil-aller/dp/3426276208/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1384167714&sr=8-1&keywords=geben+und+nehmen