Archiv der Kategorie: Allgemein

Führung unter schwierigen Bedingungen

Soziale Träger arbeiten dauerhaft unter Bedingungen, die sie selbst nicht geschaffen haben: Chronische Unterfinanzierung, Fachkräftemangel, eine stetig ansteigende Komplexität durch bürokratische Anforderungen und wachsende emotionale Belastungen. Führungskräfte stehen dabei häufig ohne echte Steuerungsmacht da – verantwortlich für Menschen, Prozesse und Ergebnisse, ohne über die notwendigen Ressourcen zu verfügen. In diesem Kontext wirkt klassischer Optimismus zynisch. Motivationsparolen nutzen sich ab. Veränderungen verpuffen, weil der Alltag mächtiger ist. Was bleibt, ist oft Frustration und Erschöpfung – und die stille Frage: Wie lange halte ich das noch durch, ohne mich selbst oder mein Team zu verlieren?

Das Prinzip Hoffnung wird oft als naiv geschmäht, steht jedoch in Wirklichkeit für ein professionelles Führungsverständnis, das Führungskräften dabei hilft:

  • die Ambivalenz zwischen Idealismus und Realität auszuhalten,
  • an Veränderungen zu glauben und diese zu fördern, auch wenn dies nur in kleinen Schritten möglich ist,
  • sich immer wieder auf neue Situationen einzulassen und
  • zwischen Optimismus und Pessimismus im Team zu vermitteln.

Hoffnung ist in sozialen Systemen keine Option, sondern eine wichtige Grundlage dafür, dass Menschen bleiben, Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln können.

Mein Impuls-Vortrag zeigt Ihnen …

  • warum ein optimistisches „Wir schaffen das!“ in Veränderungsprozessen an Grenzen stößt und welchen Unterschied es macht, Hoffnung gezielt einzusetzen.
  • welche praktische Wirkung Hoffnung als Balance aus Zuversicht und kritischem Realismus für den Umgang mit Widerständen entfaltet.
  • wie Sie als Führungskraft durch eine glaubwürdige Haltung der Hoffnung Ihren Mitarbeiter*innen Orientierung geben und sie gleichzeitig motivieren, schwierige Situationen gemeinsam zu meistern.

Hoffnung schafft einen kollektiven Denkrahmen, der nicht beschönigt und individualisiert („Du musst resilienter werden!“), sondern systemische Realitäten ernst nimmt und dennoch handlungsfähig bleibt.

Im Anschluss an den Vortrag gibt es die Möglichkeit für einen Austausch in der Gruppe und Vernetzungen.

Datum: 11.2., 11.3., 16.4.2026 (weitere Termine demnächst)

Uhrzeit: 19.00 – 20.30 Uhr

Ort: online, Link wird nach Anmeldung mitgeteilt.

Kosten: keine

Zielgruppe:

  • Bereichs- und Teamleitungen, die zwischen Anspruch, Personalnot und Bürokratie zerrieben werden
  • Einrichtungsleitungen in Pflege, Behinderten- und Jugendhilfe
  • Führungskräfte in Wohlfahrtsverbänden und kirchlichen Trägern

Anmeldung unter: info@m-huebler.de

Stichwort: Hoffnung

Hoffnung schlägt Krise – Führen statt Durchhalten

Unterbesetzte Teams, bürokratische Hürden, eine hohe Fluktuation und ein gerade in Deutschland hoher Krankenstand zwingen Führungskräfte dazu, immer wieder am Limit zu arbeiten. Was jedoch machen Teams anders, die dennoch durchhalten? Eine Analyse der Spiele der Deutschen Basketballer zeigt: Sie spielen beharrlich weiter, warten auf ihre Chance und geben die Hoffnung auf den Sieg niemals auf, auch wenn es aktuell nicht danach aussieht. Ähnliches gilt für alle Teams an der Belastungsgrenze. Neben einem realistischen Optimismus, der zeigt, was machbar ist, braucht es insbesondere in Krisen zusätzlich die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, weil Aufgeben keine Option ist.

Dieser Espresso-Vortrag liefert Ihnen einen Einblick in mein Buch „Hoffnung! Eine unterschätzte Führungsstärke in turbulenten Zeiten„:

  • Warum ein optimistisches „Wir schaffen das!“ in Veränderungsprozessen an Grenzen stößt und welchen Unterschied es für Ihre Führung macht, Hoffnung gezielt einzusetzen.
  • Welche praktische Wirkung Hoffnung als Balance aus Zuversicht und kritischer Realität für den Umgang mit Widerständen entfaltet.
  • Wie Sie als Führungskraft durch eine glaubwürdige Haltung der Hoffnung Orientierung geben und Energie für die nächsten Schritte mobilisieren.

Ihr Nutzen:
Wenn Sie bereits vieles versucht haben, um mit Krisen und Dauerbelastungen umzugehen, lernen Sie mit der Hoffnung ein beinahe vergessenes „Instrument“ (wieder) kennen, um der Frustration und Resignation in Ihren Teams etwas entgegen zu setzen.

Für wen ist der Vortrag geeignet?
Der Vortrag richtet sich an Führungskräfte, Personalleitungen und alle, die sich mit dem Thema Krisen, Veränderungen, Projekt- oder Stressmanagement beschäftigen.

Datum: 14. Januar 2026
Zeit: 10.00 – 11.30 Uhr

Kostenfrei, Anmeldelink auf Anfrage unter info@m-huebler.de, Stichwort: Hoffnung

Die Pflicht zu Trotzen

Bild von storyset auf Freepik

Gestern Abend fand nach langer Zeit wieder einmal ein Redekreis in unserem Garten statt. Dieses mal zum Thema Krieg und Frieden:

  • Wie entsteht Krieg?
  • Wie wird Frieden gefördert?
  • Was würdest du tun, wenn es Krieg gibt?

1. Erkenntnis: Die Sicht auf Krieg und Frieden ist immer persönlich. Wer Kinder hat, noch dazu Jungs, hat mehr Angst vor Krieg. Wer Großeltern hat, die vom Krieg erzählten, wurde ensprechend geprägt. Wer keine hatte, griff vielleicht wie ich auf das Buch „Vom Westen nichts Neues“ zurück. Das erste Buch, das mich mit 15/16 Jahren intensiv prägte – für den Rest meines Lebens. Meiner Meinung nach sollte das Buch Pflichtlektüre in Schulen sein.

2. Erkenntnis: Frieden fängt bei uns selbst an. Der Dschihad – noch so eine Erkenntnis aus meiner Bosnien-Reise aufgrund der stetig präsenten Minarette und Muezzins – ist im Ursprung ein heiliger Krieg mit sich selbst im Kampf gegen die eigenen, inneren Dämonen, vergleichbar mit dem Kampf gegen die christlichen Todsünden. Doch ich finde, wir müssen es uns nicht ganz so schwer machen. Es wäre schon viel erreicht, nett zueinander zu sein und anderen Menschen nichts Böses zu unterstellen.

3. Erkenntnis: Krieg und Frieden sind unfaire Gegenpole. Krieg ist eine leicht zu erreichende, materielle Tatsache. Frieden gibt es nicht. Vermutlich gab es seit den ersten Besiedlungen der Erde immer irgendwo auf der Welt Krieg. Laut dem (externer Link) Friedensgutachten 2025 befindet sich der uns so präsente Ukraine-Krieg tatsächlich lediglich auf Platz 14 im Grausamkeitsranking. Ganz oben steht der Sudan, der in unseren Medien so gut wie nicht vorkommt. Wenn wir Frieden niemals erreichen, bedeutet das jedoch nicht, ihn nicht anzustreben. Wir müssen uns jedoch klar machen, dass der Weg zum Frieden wesentlich schwieriger und komplexer ist und vielleicht auch nur die Idee oder einen Hauch von Frieden beinhaltet. Aus diesem Grund meinte Kant, wir hätten die Pflicht zu Hoffen und wie ich finde auch die Pflicht zu Trotzen. Denn wenn wir Frieden niemals in Gänze erreichen, muss es auch darum gehen, mit einem mehr oder weniger kriegsähnlichen Zustand als Zeichen der Resilienz trotzdem umzugehen. Als Sarajevo im Balkan-Krieg vier Jahre lang belagert wurde, gab es dennoch Hochzeiten. Die Menschen spannten zwischen den Häusern Netze, damit die Heckenschützen nicht in die Straßen schauen konnten und taten dort wenigstens für ein paar Momente so, als wäre nichts geschehen.

Wenn du etwas nicht verändern kannst, mach’ es erträglicher

In den letzten zwei Wochen waren meine Frau und ich in Bosnien-Herzegowina. Das stand schon lange auf unser Reiseliste. Aber mit Kindern und ohne Meer … Nun reisen die Kinder selbst in ferne Länder und wir sind frei, Urlaub sowohl jahreszeitlich als auch örtlich abseits des Mainstream zu machen. Also rein mit dem Reisebericht von Juli Zeh (Stille ist ein Geräusch) ins Gepäck und ab nach Banja Luka, Sarajewo und Mostar.

Eindruck 1: Bosnien gibt es gar nicht, weil keine Straßenschilder in Kroatien auf ein Land jenseits der Grenze hinweisen.

Eindruck 2: Da wir unsere erste Airbnb-Herberge in Banja Luka mitten in der Nacht nicht gleich finden, fragen wir einen jungen Mann auf der Straße nach dem Weg, der uns kurzerhand anbietet, ins Auto zu springen und mit zu fahren, weil das ohnehin auf seinem Weg liegt. Sehr sympathisch. Vor der Tür angekommen, kommen zufälligerweise unsere Gastgeber ebenfalls nach Hause und laden uns kurzerhand auf Bier und Raki ein. Sie spricht perfektes Englisch. Er schenkt nach.

Eindruck 3: In Banja Luka gibt es kein Meer, aber dafür heiße Quellen am Rand des Flusses, in denen alt und jung in Basins kostenfrei thermieren. Ungewohnt und kommunikativ. An den Quellen steht der Satz, dass die Natur für alle da sein sollte.

Die Erkenntnis: Das Land, das es über 30 Jahre nach dem Krieg von außen betrachtet immer noch nicht wirklich gibt (es gibt nur einen Reise- und einen Wanderführer, der immer noch darauf hinweist, die Wege wegen Tretminen nicht zu verlassen), scheint im Inneren recht gut zu leben. Diese Erkenntnis wird sich später fortsetzen. Wer kein Meer hat, badet eben in Flüssen unter Wasserfällen, selbst wenn die Neretva in Mostar als kältester Fluss gerade mal 12 Grad hat.

Das Meer jedenfalls scheint hier niemand außer den zu Tourist*innen zu vermissen.

Amüsante Randnotiz: Wer die DM zurückhaben will, sollte nach Bosnien-Herzegowina reisen. Dort gilt die Konvertible Mark, die damals als Äquivalent zur Deutschen Mark eingeführt wurde und immer noch etwa 1 zu 2 zum € getauscht wird.

Da das hier jedoch kein kompletter Reisebericht werden soll, geht es schnell weiter zu einem Vergleich zwischen Sarajevo und Mostar. Sarajevo wurde 4 Jahre lang belagert und zerschossen. Der Tod ist hier allgegenwärtig, da ehemals öffentliche Parks zu Friedhöfen und Parkbänke zu Brennholz verarbeitet und seitdem nicht mehr aufgestellt wurden. Sarajevo ist rastlos, laut, staubig, stickig und eng. Eine faszinierende Stadt, aber auch eine Stadt, die in mir innere Fluchtimpulse auslöste. In Mostar herrschte ebenfalls ein erbitterter, komplizierter und langwieriger Krieg. Im Vergleich zu Sarajevo ging Mostar jedoch einen anderen Weg. Freilich hat es Mostar leichter: Weniger räumliche Enge, mehr Geld durch Tourismus und einen Fluss, der an Schönheit seines Gleichen sucht sind eine Menge Holz. Doch zumindest eine Idee könnte sich Sarajevo abschauen: In Mostar kümmert sich ein Verein darum, u.a. im Rahmen von Festivals Gebäude mittels Graffiti zu verschönern. Auch in Mostar gibt es Gebäude, die man im Grunde abreißen müsste, wenn genügend Geld da wäre. Beispielsweise den Sniper-Turm, von dem aus die Scharfschützen von der kroatischen auf die bosniakische Seite schossen. Doch wenn sowohl ein Abriss als auch eine Renovierung zum Mahnmal zu teuer sind, bleibt immer noch ein Aufhübschen mit Graffiti.

Und auch der Humor darf nicht fehlen, was die reichhaltige Graffiti vor einer Justizanstalt belegt:

Was sich daraus lernen lässt: Wenn es keine perfekten Lösungen gibt, besteht immer noch die Möglichkeit, eine Situation zu verbessern und vielleicht sogar Jahrzehnte mit dieser unfertigen Situation zu leben. Was also lässt sich tun, um eine aktuell unveränderbare Situation, bspw. eine dauerhafte Unterbesetzung im Team, zumindest ein wenig erträglicher zu machen?

Führungskräfte als Veränderungsbegleitung

Bild von pch.vector auf Freepik

Veränderungen finden in unserer schnelllebigen Zeit zwar andauernd statt. Dennoch kommen sie selten ohne Widerstand und Konflikte aus, da es in jedem Changeprozess Gewinner und Verlierer gibt. Dabei kommt Führungskräften die besondere Rolle der Begleitung durch die Höhen und Tiefen eines Changeprozesses zu, da sie am nächsten an den Sorgen und Bedenken ihrer Mitarbeiter*innen dran sind – oder sein sollten.

Ziele dieses Ein-Tages Seminars:

  • Die psychologische Wirkung von Veränderungen verstehen.
  • Verstehen, wie Veränderung im organisationalen Kontext ablaufen.
  • Die eigene Rolle im Veränderungsprozess reflektieren.
  • Werkzeuge zur proaktiven Begleitung durch die Veränderung kennenlernen.
  • Konstruktiv mit Widerständen und Unsicherheiten umgehen lernen.

Inhalte:

1. Changemanagement, Transition oder Transformation?

  • Veränderungsphasen … nach Kurt Lewin und William Bridges
  • Ebenen der Veränderung aus kultureller, Mitarbeiter-, Führungs-, Kunden- und organisationaler Perspektive
  • Motivierende Ziele: Wie werden Ziele so formuliert, damit sie wirklich motivieren?

2. Meine Rolle als Führungskraft in Veränderungen

  • Rollenreflexion: Wie gehe ich selbst mit Veränderungen um und worin besteht meine Aufgabe u.a. als Kommunikator*in, Motivator*in und Coach?

3. Umgang mit Unsicherheiten und Widerstand

  • Ursachen von Unsicherheiten und Widerstand verstehen: Wie arbeite ich mit Betroffenheitsanalysen und Affektbilanzen?
  • Umgang mit Unsicherheiten und Widerstand: Wie gleiche ich Verlustgefühle aus und binde einflussreiche Widerständler*innen ein?

4. Praxistools für Changeprozesse

  • Moderationstools zur Aktivierung aller Beteiligten: Wie moderiere ich Reflexions- und Feedbackrunden, insbesondere bei (vermuteten) Widerständen?
  • Veränderungen als Prozess: Wie setze ich Storytelling zur Vorwegnahme von Höhen und Tiefen in Veränderungen ein?
  • Strukturen schaffen: Wie stabilisiere ich meine Teams nach den größten Turbulenzen mit Hilfe von Regeln, Richtlinien, Ritualen und Rollen?