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Das letzte Gefecht

Der Kampf der Kulturen

Ich komme mir vor wie in einem zweitklassigen Stephen King Film. Die Mächte des absolut Bösen kämpfen gegen das absolut Gute. Der hübsche und rhetorisch begabte Jüngling Macron kämpft gegen das mit allen alternativen Wassern gewaschene Schlachtroß Le Pen. Entkernt von moderaten Kräften treffen zwei Antipoden, wie so oft in letzter Zeit, aufeinander und wollen beide auf ihre Weise die Welt retten. Steuern wir mit großen Schritten auf das Armageddon zu? Auf das letzte Gefecht?

Die Urprinzipien des Lebens

Dahinter stehen tatsächlich die Urkräfte des menschlichen Lebens. Das urmännliche Streben nach Freiheit und das urweibliche Prinzip der Begrenzung derselben:“Heute kommst du früher nach Hause! Es war gestern schon so spät! Und trink nicht so viel!“ Mann wird nicht jünger. Die Erde auch nicht. Und bevor jemand die Genderkeule schwingt: In den USA hat der Rollentausch sauber funktioniert. Trump spielt die weibliche Mama des „Genug ist genug!“ mehr als perfekt. Als narzistische Diva bereitet ihm dies offensichtlich keine Probleme. Vielleicht erreicht er damit ungewollt mehr für die Frauenbewegung als wir alle glauben.

Politik ist wie Erziehung

Könnte es sein, dass viele Wähler tatsächlich denken, sie würden als Statisten in einem B-Streifen mitspielen? Wen sollte es kümmern, wenn die Politik kaum Veränderung verspricht, da die Strippen ohnehin andere ziehen? Am Beispiel Trump zeigt sich allerdings, dass Politik dem zentralen Prinzip der Erziehung folgt: Gute Erziehung ist unsichtbar. Wenn du alles richtig machst, bemerkt das keine Sau. Die Franken sagen: Bassd scho! Mehr Lob wird es nicht geben. Fehler jedoch können schnell drastische Folgen haben. Goodbye Statistenrolle!

Das letzte Gefecht

Wo also soll es hingehen nach dem letzten Gefecht? Wollen wir zurück in eine Welt der Herzogtümer, in der jeder Herrscher „L’etat c’est moi!“ ruft und jedes Land seine eigenen Gesetze erlässt? Eine Welt der Sicherheit, solange die eigenen Grenzen nicht verlassen werden. Der Austausch zwischen den Ländern und Menschen verschiedenen Nationen sowieso ist unerwünscht. Es sei denn zwischen guten Ausländern. Nur: Wer beurteilt das? Und woran macht er das fest? Oder wollen wir eine Welt der Freiheit, des Freihandels und der Umweltzerstörung? Frei für all jene, die gebildet genug sind und es sich leisten können.

Im Guten glitzerte immer schon das Böse sowie im Bösen das Gute. Solange wir jedoch das Gute im anderen nicht sehen (wollen), wird sich der Kampf der Kulturen fortsetzen, bis hin zu einem Armageddon, dass sich wenig heroisch und filmreif, sondern ganz banal als Spaltung unserer Gesellschaft zwischen uns schleicht.

Die Furcht vor der Freiheit und die Angst vor dem Anhalten

Erich Fromm beschrieb 1941 die Furcht vor der Freiheit als Urgrund des Nationalsozialismus: Warum in der Ferne schweifen, wenn die Heimat liegt so nah? Nur blöd, wenn einem die Heimat dann doch zu eng wird. 76 Jahre später pflanzt sich der Virus der Furcht medial wie ein Lauffeuer fort und wird kongenial ergänzt durch seinen Bruder, die Furcht vor dem Anhalten, dem Begrenzen, dem Einfachen.

Wenn wir nicht endlich beginnen, die propagierten Freiismen zu begrenzen und uns selbst von den Zwängen des „Immer mehr“ durch die Freiheit der Selbstbeschränkung befreien, wird uns unsere Diversität alsbald politisch um die Ohren fetzen. Die Revolution fängt niemals bei denen da oben an, sondern immer bei uns da unten. Die Revolution fängt damit an, sich selbst die Frage zu stellen, wie viel Freiheit ich wirklich brauche: Reisen in ferne Länder? Um was zu tun? Etwas zu entdecken, dass ich auch vor Ort entdecken könnte? Am Ende sich selbst? Ach was! Erdbeeren im Winter? Aber die schmecken doch so gut! Den billigsten Stromanbieter? Ich muss schließlich auch schauen, wo ich bleibe.

Und wie viel Sicherheit brauche ich wirklich? Mein Helm, mein Gurt, mein Ersatz-Smartphone. Wie wäre es mit: Augen auf und ohne GPS durch den gefährlichen Großstadtdschungel! Wie wäre es damit, sich planlos, aber respektvoll auf das nächste Gespräch einzulassen?

Das Amfortas-Syndrom

Als Parzifal Amfortas am Krankenbett besuchte, kann ihm dieser sein Reich nicht überlassen, weil Parzifal sich nicht traut, die richtige Frage zu stellen. Das Reich muss somit unregiert vor sich hindümpeln. Erst ein Jahr später schafft er es und stellt die Frage: Was schmerzet dich.

Ich glaube, wie sind alle ein wenig krank, blind, sicherheits- und freiheitsvernarrt und trauen uns nicht, dorthin zu gehen, wo es wirklich schmerzhaft wäre. Wir trauen uns nicht, einzugestehen, wovor wir selber am meisten Angst haben und zu fragen, was unser Gegenüber wirklich bewegt. Doch wovor fürchten wir uns, wenn wir die wesentlichen Fragen stellen?

Vielleicht vor der eigenen, schmerzhaften Ehrlichkeit.

Fake News Test

Um seriöse Informationen von Fake News oder Alternativen Fakten zu unterscheiden, entwickelte ich eine Heuristik, mit der sich Schritt für Schritt den Wahrheitsgehalt einer Information testen lässt:

Fake News Heuristik

Zur Vertiefung der Kriterien Erfahrungen, Nutzen, Quelle, Qualität und Persönliche Wahrnehmung sind die folgenden Fragen hilfreich:

Sachliche Testfragen: Erfahrungen, Zweck, Quelle und Qualität der Information

1. Bisherige Erfahrungen

  • Deckt sich die Information mit meinen Erfahrungen?
  • Wie sicher sind meine bisherigen Informationen?

2. Zweck der Information

  • Wem nützt die Information?
  • Wofür dient die Information?
  • Kratzt die Information an einem Tabu?
  • Was daran ist tabuisiert?
  • Bedient die Information ein Sensationsbedürfnis?
  • Polarisiert die Information?
  • Wofür brauche ich die Information?

3. Informationsquelle

  • Wer lancierte die Information?
  • Ist die Quelle vertrauenswürdig?
  • Welche Kriterien gibt es für vertrauenswürdige Quellen?
  • Auf welche weiteren Quellen verweist die Quelle?

4. Qualität der Information

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass die Information wahr ist?
  • Welche Kriterien gibt es für Wahrheit?
  • Welche objektiven Kriterien gibt es (Durchführung, Auswertung, Interpretation)?
  • Welche Kriterien der Reliabilität (Mess-Wiederholbarkeit) wurden erfüllt?
  • Welche Tiefe besitzt die Information?
  • Was benötigt eine Information, um Tiefe zu besitzen?

Persönliche Testfragen: 

5. Aufwand

  • Mache ich es mir zu leicht?
  • Bin ich leichtgläubig?
  • Warum will ich die Information glauben / nicht glauben?
  • Fühle ich mich (zu leicht) bestätigt?

Da es in diesem Bereich selten die reine Wahrheit, sondern nur Grautöne gibt, dienen die Heuristik und die dazugehörigen Testfragen als Orientierung. Ergänzungen nimmt der Redakteur gerne in Empfang.

Die Wahren, Guten und Schönen Fakten

Auf Platon geht unser Wahres, Gutes und Schönes zurück. Das Wahre ist die Wissenschaft. Hier geht es um die Wahrheit, um objektiv überprüfbare Fakten. Das Schöne betrifft unser individuelles Empfinden insbesondere für Kunst und Kultur. Das Gute jedoch, für Platon das wichtigste Element unter den Dreien, betrifft die Idee eines identitätsstiftenden, einigenden Wir-Gefühls über Religion, Ethik, Moral und Wertvorstellungen.

Platons Ideenlehre geht davon aus, dass sich aus einer allumfassenden, göttlichen Idee, dem Guten, das mannigfaltig Erfahrbare entwickelt, die anfassbare Wissenschaft und bewundernswerte Kunst. Moralvorstellungen oder Gesetze sind in dem Sinne nicht erfahrbar und damit auch kaum bewertbar. Es bleiben Ideen, auf die wir uns gemeinsam einigen. Sie sind nicht schön oder wahr, sondern einfach gut. Was also ist das Gute im Menschen?

Zu Platons Zeiten gab es noch keine Gehirnforschung. Heute wissen wir (das Wahre), dass wir zum Helfen geboren sind. Es gibt genügend Studien von Neurowissenschaftlern wie Bauer, Tomasello, Hüther oder Singer, die belegen, dass wir uns in Krisenzeiten verteidigen, jedoch in normalen Zeiten unsere Gene auf Kooperation ausgerichtet sind. In unserer medialen Welt scheint es jedoch auszureichen, Krisen auf der populistischen Klaviatur herauf zu beschwören, die Katastrophen, die Flutwellen, das Chaos, ohne, dass es dieser Krisen in der wahren Welt bedürfe, die in diesem Moment alles andere als wahr ist.

Was passiert jedoch, wenn wir uns als Menschen immer mehr auf der empirischen Oberfläche des (scheinbar) Wahren und Schönen tummeln? Wir wischen, scrollen, zappen und shoppen uns durchs Leben. Wir konsumieren Kunst als wäre es Fast Food. Unbequem-politische Kabarettisten haben es schwer zwischen Jokes-per-Minute-Zählern und öffentlich-rechtlicher Zensur. Wo bleibt da noch Raum für die Idee des alle Menschen (was bei den Griechen zugegebenermaßen ein paar weniger waren) verbindenden Guten? Und was passiert, wenn immer weniger Menschen in die Kirche gehen, und weder Eltern noch Lehrer nur selten in die moralisch-wertige Erziehungsbresche springen?

Das Wahre zeigte uns, wie das Gute aussieht. Doch ohne die Idee des Guten bleibt es leider bei alternativen Fakten. Nur, weil ich die Wahrheit kenne, muss ich noch lange nicht danach handeln (das müsste jetzt ein Zitat sein, leider habe ich den Namen des zu Zitierenden gerade nicht parat). Das Problem der Fake News lässt sich – mit Platon gedacht – nicht über das Wahre lösen, sondern nur über das Gute, über Moral, Ethik und Werte.

Und die Rolle des Schönen? Gute(!) Kulturveranstaltungen – auch die ehrwürdige Betriebsfeier – zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht sektieren, sondern Menschen mit altem, jungem, männlichem, weiblichem, reichem, armem, größerem und kleinerem Bildungs-Hintergrund zusammenbringen. Das Schöne könnte Brücken bauen. Könnte.

Bei Diversity hört der Spaß auf

… oder fängt erst an, je nach Standpunkt.

Es folgt ein (etwas lang geratenes) Essay als persönliches Fazit zu 2016.

Wenn Pegida das Abendland vor dem Islam retten will, wehrt es sich gegen eine Vielfalt im eigenen Land, die zu stoppen weder möglich, noch sinnvoll ist. Den Witz mit dem Gegenbegriff von Vielfalt schenke ich mir an dieser Stelle. Auch in unseren Kirchen falten wir die Hände, um eins zu werden mit Gott. Danach geht es zum Italiener um die Ecke. Am Montag wird frisches Gemüse beim Türken eingekauft. Zuvor wurden arabische Ziffer auf Einkaufszettel gekritzelt.

Wenn ein modernes Unternehmen auf Diversity setzt, meint es damit natürlich keine Homosexuellen oder Transgender-Menschen, sondern Ältere und Gehandicapte. Spannend daran ist, dass ein Team aus alt und jung, Mann und Frau, vermutlich auch behindert – nichtbehindert (darf man das jetzt wieder sagen?) oder hetero – homo die besten Teamergebnisse erzielt. Das, was sonst mittels teurer Kreativitäts-Trainer (Anfragen unter info@m-huebler.de) erkauft wird, bekommen sie frei Haus.

Wenn ich Sylvester feiere, profitiere ich ebenso von unserer gesellschaftlichen Vielfalt. Ohne Diversity würden wir an Sylvester Schweinebraten mit Klößen und Sauerkraut essen, oder fränkischen Karpfen, kaum jedoch japanisches Sushi, schweizer Raclette oder eine französische Bouillabaisse. Naiv wie ich bin, erstaunt es mich beim Urlauben regelmäßig, wie wenig vielfältig das Ausland oft im Vergleich zu Deutschland ist. In einer mittelgroßen Stadt wie Fürth bekommst du fast alles. Fürth ist wie im Ausland. Es gibt einen südostasiatischen Laden, in dem man nicht mit EC-Karte bezahlen kann, einen türkischen Supermarkt mit original orientalischer Hintergrundmusik und zahllose polnische, russische und italienische Nicht-immer-so-Feinkostläden. Eigentlich bräuchte ich nicht verreisen.

Eine solche Auswahl müsste doch glücklich machen. Dennoch ist Deutschland immer noch die unangefochtene Nummer Eins im Jammern. Während sich zahllose Anreiner-Staaten mit rissigen Atomkraftwerken plagen, brummt bei uns der grüne Wachstums- und Wohlstandsmotor auf Hochtouren. Das hat zwar auch Schattenseiten, Solarzellen produzieren mehr Müll als sie Energie sparen, das ist jedoch eine andere Geschichte.

Die Kaufkraft ist so hoch wie nie. Die Beschäftigungsquote vergleichsweise gut. Die Zufriedenheit liegt laut dem Glücksatlas (http://www.gluecksatlas.de) auf einer Skala von 0-10 bei 7,11 (2015: 7,02). 7,11! Wie konnte das denn passieren? Sind die Deutschen noch bei Trost? Oder doch ein wenig glückstaumelig übergeschnappt? Man darf nur keine politische Diskussions- oder Nachrichtensendung ansehen. Die könnten die Entspannungs-Atmung deregulieren.

Dabei wurde in den letzten Monaten vielfach das Lebensmodell ‚Vielfalt‘ dem Lebensmodell ‚Traditionell‘ gegenüber gestellt. Vielfalt, so heißt es, ist das Modell der städtischen Globalisierungsgewinner, die Tradition das Modell der ländlichen Globalisierungsverlierer. Vielleicht geht es ja den einen sehr sehr gut, und den anderen sehr sehr schlecht.

Ganz so einfach ist das mit dem Lebensstil jedoch nicht, leider oder zum Glück. Denn in Wirklichkeit tendieren alle Menschen zu einem für sie persönlich konservativen Lebensstil. Ich kenne Lesben, die ein so ‚traditionelles‘ Leben führen, würde man die eine als Mann verkleiden, würde deren gleichgeschlechtliche Partnerinnenschaft nicht im mindesten auffallen. Nazis essen Döner und gehen zum Griechen. Ich kenne Linksextreme, deren Konservativismus meine freiheitlich-liberalen Nackenhaare magnetisch zur Decke zieht. Und manch grüne Moral kommt in Gestalt eines spritfressenden Pickup-Trucks daher. Wer hat da wen überholt? Links Rechts? Rechts Links? Oder beide sich selbst? Vermutlich.

Vielfalt ist kein Lebensmodell. Die Vielfalt ist da und man oder frau pickt sich etwas davon heraus, was wie ein Lebensabschnittspartner gerade passt. Viel sinniger erscheint es mir, in Lebensphasen zu denken. Wer jung ist, mag (nicht zwingend) mehr Vielfalt, solange, bis er merkt, dass es das nicht gewesen ist. Glücklich ist, wer abhaken kann. Im Dunkeln in ein Freibad einsteigen macht in jungen Jahren Sinn. Mit 40 nicht mehr. Das Reiheneckenhaus wartet schon. Auf dich und mich und den Punker von nebenan.

Dass dieses Aussuchen aus einem Überangebot an Waren Menschen mit schneller wechselnden Kollegen und Kolleginnen, Beziehungen, Jobs und jahrelanger Restauranterfahrung – Enttäuschungen inklusive – leichter fällt als Menschen, die in den letzten Jahren eher in Richtung „Mehr desselben“ lebten, klingt einleuchtend. Auch die Konfrontation mit S- und U-Bahnplänen sind hilfreich zur Erweiterung des Denkvermögens. Bin ich froh, das ich noch jung bin! An dieser Stelle ein Dank an die immer komplizierter werdenden Fahrkartenkonstellationen der städtischen Verkehrswerke und der Deutschen Bahn. Ehre, wem Ehre gebührt. 

Damit sollte keine Wertung verbunden sein, im Sinne von ‚Wir (Städter) sind ja ach so clever und ihr seid die Hinterwäldler‘. Beim Schuhkauf gehe ich extra in einen Laden, in dem die Auswahl begrenzt ist. Ich bin ja kein Masochist. Städtische Angebote sind nun mal überfordernd.

Das Modell hinter der Vielfalt ist der Kapitalismus oder meinetwegen die nicht mehr ganz so soziale Marktwirtschaft. Die Marktwirtschaft kann jedoch zaubern. Sobald jemand eine neue Idee in die Welt wirft, testet sie, ob sich für diese Idee genügend Interessenten finden. Wenn ja, macht sie aus der Idee ein Angebot und versammelt es unter ihrer Ägide neben Millionen anderer Angebote. Der Diversity-Gedanke hat seinen Ursprung in der freien Marktwirtschaft.

  • Sie wollen Ihre Kinder in einen Waldorfkindergarten bringen? Kein Problem, sofern dieses (marktwirtschaftliche) Angebot genügend andere Interessenten findet. Aber schimpfen Sie bitte nicht auf die Gobalisierung oder die Marktwirtschaft. Ohne die wäre es gar nicht möglich.
  • Sie werfen an Sylvester China-Böller in die Lüfte? Wo die wohl herkommen? (https://de.wikipedia.org/wiki/Feuerwerk)
  • Sie wollen sich einen neuen Laptop kaufen? Wissen Sie noch, was Sie vor 20 oder gar 30 Jahren für Ihren ersten Computer ausgaben? Mein Amiga 500 wurde damals noch in Frankreich produziert und kostete (wenn ich mich recht erinnere) ohne Festplatte 2000 DM. Was kostet ein Laptop heute?

Die Regierung versucht, quecksilberverseuchte Glühbirnen in die Welt zu setzen und verbietet die alten, normalen Glühbirnen? Ein halbes Jahr später gibt es Heatballs. Der Markt hat für alles einen Platz.

Vor diesem Hintergrund sind 10-15% Anhänger einer Konservativ-Rechten Partei am Rande der Grundgesetzfeindlichkeit eine – wertneutral formuliert – Bereicherung unserer Vielfalt: Menschen, die gerne … ja was eigentlich? Das weiß ich leider auch nicht. Da müsste ich erst das Parteiprogramm der AfD lesen. Ist aber auch egal. Denn was da drin steht, interessiert niemanden. Das meine ich nicht böse. Es ist nur nicht notwendig. Deshalb macht es keinen Sinn, das Wahlprogramm der AfD anzufeinden. Sie brauchen keins. Die AfD könnte ein Wahlprogramm aus sieben Worten „Wir machen alles anders als die Eliten“ aufstellen. Es würde reichen, um das marktwirtschaftliche Angebot bei Wahlen zu bereichern.

Während früher freie Marktwirtschaft auf der einen und Politik auf der anderen Seite existierten und Politiker die extremsten Auswüchse eindämmten, indem sie beispielsweise dem Manchester-Liberalismus Ketten anlegten (keine Kinderarbeit, Begrenzung der Arbeitszeit), wurde die Politik schleichend zu einem exekutiven Teil der Wirtschaft. Bewegte die Bankenkrise Banker zum Umdenken? Warum auch? Was denkt ein Kind, das ein anderes Kind mit einem Hammer schlug und daraufhin von der Kindergärtnerin ermahnt wird, den Hammer aber behalten darf? Zehn Minuten später schaukelt der Hammer immer noch in seiner Hand. Und der Groll auf den Anderen (in anderen Situationen die Gier, die Sucht, die Lust) ist immer noch da. Offensichtlich ist es OK, den Hammer zu haben. Also kann ich damit nicht allzu viel Schaden anrichten, oder?

Auf der anderen Seite sind Wahlen nicht mehr die Wahlen, mit denen ich aufgewachsen bin. Es gibt sie noch, die Wähler, die mit einer oder zwei Parteien identifiziert sind. Eine große Anzahl an Wählern ist dies nicht mehr. Die Wahlforscher versuchen am Wahlabend krampfhaft zu erklären, wer von wo zu wem warum wechselte. Blödsinn! Niemand von denen wechselte, weil sie zu keiner Partei mehr gehören. Sie wählen nicht mehr, sie gehen einkaufen. Mit dem Unterschied, dass auf dem Wahlzettel kein schlichter analoger Wecker, batteriebetrieben oder mit Stromkabel, digital oder hightec ausgewählt wird, sondern schwarz-rot-grün-blau-geld-braun. Diese ‚Wähler‘ wählen keine Parteien oder gar langfristige Parteiprogramme. Sie entscheiden sich für kurzfristige Marktschreier, die einfache Parolen verkaufen. Sie entscheiden sich für ein IKEA-Regal, das in vier Jahren auf dem Sperrmüll landet.

Sollten diese Marktschreier-Parteien, und damit meine ich nicht nur die AfD, eines Tages die Mehrheit auf Landes- oder Bundesebene übernehmen, wird sich zeigen, inwieweit Parolen dazu dienen, langfristige Politik zu gestalten.

Wer in der Dusche heißes Wasser will, sollte jedenfalls den Hebel nicht bis zum Anschlag nach links drehen, um sich Sekunden später zu verbrühen, worauf er den Hebel stark nach rechts dreht, weshalb das Wasser zu kalt wird, usw. usf. Vielleicht heißen die Duschhebel des modernen Menschen Twitter und Facebook. Empfehlenswerter wären diplomatische Stupser mit einem einzelnen Finger nach links oder rechts, solange, bis die gewünschte Temperatur erreicht ist.

Vielleicht würde es gar nichts ausmachen, wenn Parolen an der Macht wären. Manchmal habe ich das Gefühl, unsere Politiker erfüllen mehr repräsentative Zwecke. Wirklich gelenkt werden wir von Exxon Mobile, JP Morgan, General Electric, BP, Apple, Gazprom, Microsoft, Nestle, usw.

Oder wir werden nicht einmal von diesen Firmen gelenkt, sondern der Markt oder das Kapital tut alles, um sich entsprechend der Mem-Theorie (https://de.wikipedia.org/wiki/Mem) selbst zu vermehren. Der Markt als Hobbscher Leviathan, der sich solange selbst füttert, bis er explodiert, weil die Ressourcen aufgebraucht sind. Nicht „der Mensch ist des Menschen Wolf“, sondern der Wolf hat sich als unkontrollierbares Monster verselbständigt. Als Zeichen der Verselbständigung können wir den Overshoot-Day betrachten (http://www.overshootday.org/newsroom/press-release-german). Der fiel 2016 auf den 08. August. An diesem Tag wurden die jährlichen Ressourcen den Erde aufgebraucht. 2011 waren wir noch im September. Könnte die Politik dem Leviathan Ketten anlegen? Oder wir alle? Mit bürgerschaftlichem Engagement? Demonstrationen?

Bleiben die Marktschreier unter 20%, sollte das für eine funktionierende vielgestaltige Demokratie keine Problem sein. Deutschland verkraftete auch Möllemanns und Westerwelles rechtpopulistisch angehauchtes Projekt 18.

2016 war das Jahr der Panik. Aber was soll man von einem Mars-Jahr auch anderes erwarten? Am 21. März 2017 beginnt das Sonnen-Jahr. Haltet aus, liebe Leser und Leserinnen.

Für 2017 wünsche ich mir eine konservativere CDU, eine mutigere SPD, besonnene Grüne und auf jeden Fall die FDP zurück. Die hatte ich 2016 definitiv vermisst.

Ansonsten empfehle ich ein gelassenes „Willkommen liebe Protestwähler, Populisten und Demagogen in unserem glücklichen Deutschland!“ Auch ihr seid ein Teil der gesellschaftlichen Vielfalt!

Bilderkreuzung

Eine analytisch-assoziative Kreativ-Methode

Mit der Kreativ-Methode Bilderkreuzung kommen Sie innerhalb kurzer Zeit auf neue Ideen, zum Beispiel um Sylvester-Ziele umzusetzen.

Zur Vorbereitung brauchen Sie: … einige Postkarten oder das Spiel Dixit. Alternativ können Sie im Internet nach Bildern recherchieren. Am besten eignen sich: Fortbewegungsmittel wie Fahrräder, Autos, Mottorräder, Schiffe oder Flugzeuge, Tiere aller Art, berühmte Bauwerke wie Brücken, die Pyramiden, Hochhäuser oder Tempel, Bäume, Alleen und Pflanzen. Für den Einstieg genügen 6-8 statische und dynamische, organische und technische Bilder. Ein technisch-dynamisches Bild ist zum Beispiel ein Flugzeug, ein technisch-statisches Bild ein Tempel, ein organisch-dynamisches Bild ein Affe, ein organisch-statisches Bild ein Baumstamm. Wollen Sie die Methode öfter nutzen, ist eine Auswahl aus 20 Bildern oder mehr sinnvoll.

Schritte

Beispiel

1. Bestimmen Sie Ihr Thema.

Ziele für 2017, Beispiel: Entschleunigung

2. Suchen Sie ein Bild aus. Das Bild muss nichts mit Ihrem Thema zu tun haben.

Dampflock

3. Sammeln Sie Details des Bildes.

Vorwärtsbewegung, Gleise, Rauch, Natur, Umwelt Transport

4. Finden Sie Oberbegriffe zu den Details.

Energie, Bewegung, Rahmen / Bahn, Verbrauch, Ausstoß, Transport

5. Welche Bedeutung haben die Oberbegriffe für Ihr Thema?

  • Selbst das Ziel Entschleunigung benötigt Bewegung und Energie. Von alleine bleibt nur der Status Quo, der ’natürliche‘ Zustand.

  • Bevor ich mich bewege, brauche ich ein ‚Gleisbett‘, Vorbereitung und Planung.

  • Was wird mit dem Ziel Entschleunigung transportiert? Werte? Ein Wertegerüst?

  • Dafür werden andere Werte (zum Beispiel Gewinn, Expansion) zurückgelassen oder (gegen die Überzeugungen der Umwelt) bekämpft.

6. Fassen Sie Ihre Erkenntnisse in einem oder mehreren Kernaussagen zusammen.

1. Ziele werden leichter mit guter Vorbereitung erreicht, was den Umgang mit Widerständen einschließt.

2. Ziele sollten auf Werte fußen.

7. Suchen Sie sich eine zweite, komplementäre Karte (organisch vs. technisch, statisch vs. lebendig) aus und sinnieren darüber (Schritte 3-6), wie Ihre Erkenntnisse umsetzbar sind.

Chamäleon

3.

bunt, Tarnung, wachsam

4.

Auftreten / Tarnung, Präsenz

5.

Selbst: Präsenz und Wachsamkeit bedeutet, täglich zu testen, ob das Ziel noch in der Spur liegt, zum Beispiel, indem ich einen Entschleunigungstest für tägliche Tätigkeiten einführe. Beispiele: Das Kraut wieder von Hand hobeln. Zehn Minuten früher aufstehen, jedoch normal frühstücken, um später einen Zeitpuffer zu haben. Uhrenfreie Tage einführen.

Umwelt: Im Kampf um Werte muss ich mit einer guten Tarnung nicht aggressiv kämpfen, sondern kann Werte getarnt unter die Menschen bringen, zum Beispiel mit Humor: 09.01.2017, 9.00 Morgens und schon wieder burn-out-gefährdet!

6.

1. Ziele werden erreicht, wenn sie in die kleinsten Alltagstätigkeiten übertragen werden.

2. (Werte-)Kämpfe sind komplex.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit Ihrer Bilderkreuzung und freue mich über Anmerkungen und Rückmeldungen.