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Warum GPS zu Alzheimer führen?

85% aller Kinder nutzen Raumplanungsstrategien, um sich in der Welt zurecht zu finden. Was heisst das? Wenn sie in ein Labyrinth gesteckt werden, gibt es zwei sinnvolle Möglichkeiten, dort wieder herauszukommen:

  1. Sie benutzen die Methode „Versuch und Irrtum plus Lernen“, d.h. sie marschieren drauflos und versuchen sich markante Stellen zu merken, um nicht im Kreis zu laufen.

  2. Sie nutzen ihre Vorstellungskraft, gehen in die Vogelperspektive und stellen sich das Labyrinth von oben vor.

Kleine Kinder nutzen v.A. die 2. Methode, d.h. sie stellen sich eine Art Landkarte von dem Labyrinth vor. Sie überlegen sich, wo Norden und Süden, Osten und Westen sind, bzw. oben und unten, links und rechts – und schalten ihr inneres Navigationssystem ein.

Doch je älter wir werden, desto weniger müssen wir auf dieses System zurückgreifen. Dann haben wir Navis und GPS.

Als Randnotiz ist interessant, dass Frauen eher auf die erste Methode zurückgreifen, wenn sie sich in öffentlichen Räumen orientieren, während Männer stärker die zweite Methode nutzen. Dies kann an ganz unterschiedlichen Dingen liegen: Unser evolutionäres Erbe legt nahe, dass Frauen früher eher die Beerenbüsche rund um die Höhle wiederfinden, während Männer draußen auf der Jagd immer wieder neue Wege erkunden mussten. Aber auch soziale Gründe könnten eine Rolle spielen: Frauen sind gefährdeter, im öffentlichen Raum Opfer einer Straftat zu werden und halten daher ihre Neugierde auf neue Wege eher in Grenzen. Sie müssen daher weniger neue Landkarten im Gehirn erstellen als Männer. Dafür finden Sie den Autoschlüssel, den ihr Mann mal wieder irgendwohin …

Trotz dieser Unterschiede zeigte sich in Orientierungstests, dass Frauen und Männer in etwa gleich gut navigieren, und – mit Blick auf ein gutes Konfliktmanagement – zu zweit ohnehin unschlagbar sind. Allerdings stellt sich die Frage, ob es nicht manchmal besser wäre, wenn die Frau fährt und der Mann die Karte liest.

Je mehr wir die zweite Methode nutzen, desto größer wird unser Hippocampus, unser Speicher für Landkarten, Schubladen und Bibliotheken im Gehirn. Der Speicher, auf den unser Neocortex zugreift, wenn er wissen will, ob er für eine Entscheidung auf alte (bewusste) Erfahrungen zurückgreifen kann. Der Speicher, in dem unser Wissen wie in einer Mindmap vernetzt ist.

Eine Berufsgruppe, die diese Art Landkarten-Speicher am intensivsten nutzt, sind die berühmten Londoner Taxi-Fahrer. Diese haben in der Tat einen größeren Hippocampus als z.B. Londoner Busfahrer, da sie nicht nur die offiziellen Straßen, sondern zusätzlich alle möglichen Schleichwege kennen. Dadurch ergeben sich viel mehr Wege und Straßenkarten im Gehirn. Und da wir wissen, dass eine Vergrößerung der Denkspuren im Gehirn, hier im Hippocampus, die Wahrscheinlichkeit erhöht, im Alter weniger neurologische Krankheiten zu bekommen, liegt es Nahe, dies auch für Taxifahrer zu vermuten. Die Begründung dieser Zusammenhänge ist relativ simpel: Es gibt schon eine Menge Studien, die nahelegen, dass im Falle eine neurologischen Krankheit ein anderer Teil des Gehirns die Aufgaben des erkrankten Teils übernimmt. Die einfache Rechnung lautet folglich: Je mehr ich weiß, desto mehr Spieler hab ich auf der Reservebank.

Nun fahren die wenigsten von uns Taxi. Und dennoch bewegen wir uns im öffentlichen Raum. Früher mit einer Landkarte in der Hand und nach und nach im Kopf. Wir stellten uns vor, wo es lang geht, wo diese Straße nun wieder hinführt, wie weit weg es noch bis zum Bahnhof ist, usw. Ich persönlich finde es heute noch spannend, eine neue Stadt zu erkunden und sich nach und nach einen Überblick zu verschaffen.

Eine Alternative dazu ist die Orientierung an einem GPS: An der nächsten Ampel links rein, dann 100 Meter geradeaus, dann wieder nach rechts, usw. GPS funktionieren nach der Markante-Stellen-Methode. Dadurch ist kein Überblick nötig. Es entstehen keine neuen Landkarten im Gehirn, mit den geschilderten (wahrscheinlichen) Folgen.

Bleibt die Frage offen, ob Frauen später mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Alzheimer bekommen als Männer. Wenn ich an den sozialen Kompetenzvorsprung der Frauen denke, glaube ich nicht. Frauen mögen weniger Straßenkarten im Kopf haben, dafür aber vermutlich wesentlich mehr Stammbäume und Soziogramme. Und ich denke, das wiegt alles wieder auf.

Quellen:

  • Navi im Kopf (Dokumentation, 3Sat)

  • Manfred Spitzer: Digitale Demenz

  • Gerald Hüther: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn

Mitarbeitermotivation

Relevanz Newsletter 02/2015 (www.be-relevant.de)
Für Sie gelesen: Mitarbeitermotivation

Mitarbeiterkommunikation

Das Führungsverhalten ist nach wie vor der entscheidende Faktor, wenn es um Motivation geht. Doch das verkennen viele Firmen. Sie greifen lieber zu „Dopingmitteln“: Prämien, Incentives, … Die dadurch verursachten Motivationsschübe sind aber meist nur von kurzer Dauer, sofern sie überhaupt Wirkung entfalten. Was motiviert Menschen wirklich? Wie wird Mitarbeitermotivation im betrieblichen Alltag zur Routine? Antworten darauf liefert Michael Hübler in seinem neuen Buch. Damit aus dem „Frust am Job“ wieder „Lust auf Arbeit“ wird, müssen die Maßnahmen auf die Ursachen zugeschnitten werden. Im Fokus stehen sieben Haltungen, die Führungskräften helfen, aus der Demotivationsfalle des Motivieren-Müssens herauszukommen. Dazu gehören zum Beispiel lösungsorientierter Optimismus, Transparenz und Authentizität, aber auch Respekt und Demut. Fazit: Das Buch zeigt die Zusammenhänge von Motivation und Demotivation auf und gibt Tipps, wie mehr Mitbestimmung und Leistung möglich sind. Es empfiehlt sich für alle, die im Berufsleben „mehr Demokratie wagen“ und echte Motivation fördern wollen.

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Buchauszüge unter: www.berufebilder.de

Demotivation verhindern

Vom Team zum Ego …

Seminare und Vorträge

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26.-27.06.2019: Provokantes Führen (Management Circle), Frankfurt

26.-27.09.2019: Neuroleadership (BVS), Beilngries

07.-08.10.2019: Mit Menschenkenntnis mehr erreichen (BVS), Kaufering

Weitere Termine und Informationen zu meiner Kooperation mit Göksen Meine vom Improtheater Volle Möhre unter: https://www.inka-training.de

Die Resilienz der Deutschen Nationalmannschaft

Wie gehen Resilienz und Fußball zusammen?

Was bringt einen Menschen zu Resilienz, das heisst immer wieder wie ein Stehaufmännchen aufzustehen? Ganz aktuell: Wie schaffte es ein Bastian Schweinsteiger – blutend oder nicht – und mit ihm die gesamte deutsche Mannschaft in Brasilien, nach Fouls, Rückständen oder den weniger glorreichen Spielen gegen Algerien und Ghana, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen?

Resilienzlandkarte

 

Das Resilienz-Konzept bietet hierauf detaillierte Antworten, die sich auf viele Situationen übertragen lassen. Das Konzept, das ich Ihnen vorstellen möchte, besteht aus sieben Komponenten. Ich ließ mich dabei von dem Buch R-Faktor von Micheline Rampe inspirieren. Das Buch „R-Faktor“ ist ein guter Einstieg vor allem für Menschen, die es nicht gar so wissenschaftlich brauchen. Wer die Materie jedoch ernst nimmt, findet hier einige logische Schwächen, die ich versuche, in meinem Konzept weitgehend auszumerzen bzw. andere Konzepte, u.a. von Reinhard Sprenger oder Fredmund Malik mit hineinzunehmen.

Beispielsweise gibt es in dem Buch R-Faktor eine Kategorie namens Lösungsorientierung. Ein Faktor, den wir auch bei Fredmund Malik (Führen, Leisten, Leben) wiederfinden. Die Fragen in dem Selbsttest, den Frau Rampe in ihrem Buch zu diesem Unterpunkt präsentiert, gehen allerdings beinahe ausschließlich in Richtung Zielorientierung. Es ist jedoch schwierig, diese beiden Faktoren zu vermischen: Wer chancen- und lösungsorientiert vorgeht, sieht das Positive in Problemen. Wer zielorientiert vorgeht, setzt sich Ziele, die möglichst realitäts- und resultatorientiert (Malik) angestrebt werden. Eine Lösungsorientierung geht für mich daher klar in Richtung Optimismus, womit wir bei dem wichtigsten Unterpunkt der Resilienz angekommen sind:

1. Realistischer Optimismus

Ohne Optimismus keine Resilienz. Hier geht es erst einmal nicht um die Frage, was ich tun kann, um Probleme zu lösen, sondern um die Frage, ob ich überhaupt eine Art Urvertrauen in die Welt habe.

Dabei möchte ich zwei Typen von Optimisten unterscheiden: Die einen sind bedingungslos optimistisch. Egal was passiert: Alles wird gut. Eine solche Haltung kann zum einen andere Mitmenschen extrem nerven. Zum anderen wird nicht immer alles gut. Vielleicht am Ende, wenn wir an unseren Krisen gewachsen sind. Doch zwischendrin gibt es immer wieder Konflikte, die gelöst werden wollen. Bedingungsloser Optimismus macht jedoch blind gegenüber diesen Hindernissen des Alltags.

Die anderen möchte ich realistische Optimisten nennen. Deren Motto könnte lauten: Es wird krachen und knirschen. Darauf bin ich vorbereitet. Und wahrscheinlich werde ich nicht alle meine Ziele erreichen – einen Großteil aber schon. In der Optimismus-Forschung (Seligman, Kuhl / Martens) ist schon lange bekannt, dass die entspannteren und gleichzeitig erfolgreicheren Menschen dem Konzept des realistischen Optimismus folgen.

Was dabei hilft ist eine Orienterung an sich selbst. Soll ich mich als Melancholiker an der Spaßkanone meines Teams orientieren, um so zu werden wie er? Mit Sicherheit eine zwar bisweilen motivierende, aber auch frustrierende Idee. Den ein oder anderen Impuls kann ich aufnehmen. Der Rest von mir tut besser daran, sich mit sich selbst zu vergleichen. Habe ich mich in den letzten Jahren weiterentwickelt? Reagiere ich in dieser Situation weniger optimistisch als sonst? Wenn ja, woran liegt das?

Die Deutsche Nationalmannschaft hat immerhin zehn Jahre Entwicklungsarbeit unter Jogi Löw gebraucht, um dahin zu kommen, wo sie heute steht.

2. Akzeptanz von Lebensläufen

Meine Kinder bekamen vor vielen Jahren das Buch „Frau Meier, die Amsel“ von Wolf Erlbruch geschenkt. In diesem Buch geht es um Frau Meier, die stetig damit beschäftigt ist, sich Sorgen darüber zu machen, dass Katastrophen über sie hereinbrechen. Die klassische Entgegnung ihres Mannes lautet: Es ist, wie es ist. Wir können’s nicht ändern.

Manchmal ist dies eine gute Haltung, auch wenn es nicht immer einfach ist und natürlich nur die eine Seite der Medaille abdeckt: Ich akzeptiere die Umstände. Ich kann nicht alles ändern. Ich weiss, dass es heute regnet und morgen die Sonne scheint. Auch wenn ich heute, nach einem grandiosen Spiel gegen Portugal gegen eine vermeindlich schwächere Mannschaft beinahe verloren habe, wird das nächste Spiel wieder anders aussehen. Die Bilanz der sieben Spiele der Nationalmannschaft gleicht beinahe einem Schweinezyklus: Nach einem großartigen ersten Spiel ging es runter in Richtung mäßig. Danach folgte wieder eine akzeptable Steigerung, gegen starke Algerier ein zumindest schwieriges Spiel. Gegen Frankreich ein Spiel, das in seiner Kontrolliertheit an das Vorrundenspiel gegen die USA erinnerte. Dann folgte der vorläufige Höhepunkt gegen desolate Brasilianer und schließlich ein Arbeits- und Kampfsieg gegen gute, aber nicht zwingend-gute Argentinier. Fazit: Es geht im Leben auf und ab. Es gibt Höhen und Tiefen. Wenn ich oben bin, sollte ich zumindest mit einer Gehirnzelle daran denken, dass es wieder abwärts gehen kann, was vielen Aktienbesitzern schwer fällt. Und wenn ich unten bin, wird es auch wieder aufwärts gehen.

Diese Logik im Hinterkopf kann verhindern, dass manch ein Star wie einst Matti Nykänen erst hoch hinausfliegt, um später ziemlich unsanft zu landen. Ein Bild aus unserem Urgedächtnis, das wir bereits vom Sturz Lucifers oder auch dem Fall des Ikarus bestens kennen sollten, und doch so oft verdrängen.

Wenn wir den zeitlichen Aspekt außer acht lassen, geht es hier natürlich um Yin und Yang. Es gibt keinen Himmel ohne eine Hölle, keinen Erfolg ohne Absturz. Doch wenn der Erfolg den Absturz bereits im Blick hat, kann die spätere Hölle ein wenig gedämpft werden. Und wer im Absturz den Aufstieg bereits mitdenkt, kommt auch über die tiefsten Tiefen hinweg.

Die Akzeptanz steht dem Optimismus gegenüber, da sie einen überbordenden Hurra-wir-fahren-in-den-Krieg-Optimismus auf den Boden der Tatsachen zurückbringt.

3. Zielorientierung

Da über Ziele andernorts viel geschrieben wird, fasse ich mich hier kurz. Fakt ist, dass Ziele motivieren. Allerdings nur, wenn es sich um realistische Ziele handelt. Und auch nur solange, bis die Ziele erreicht werden. Daher sollten Ziele immer etwas vorübergehendes haben.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte ein klares Ziel vor Augen, das nicht von anderen Zielen verwässert wurde. Per Mertesacker brachte es nach dem Algerienspiel in einem (externer Link) Interview auf den Punkt: Wollen Sie, dass wir schön spielen oder dass wir gewinnen?

Dazu passt auch die Abschottung der deutschen Mannschaft in Brasilien in einem Basislager weit weg von allem Trubel.

Die Brasilianer hingegen hatten offensichtlich viele Ziele: Natürlich wollten Sie den Titel holen. Sie wollten aber auch für ihr Land spielen, für ihre Familien und für ihr Volk. Der Druck durch so viele verschiedene Ziele führte offenbar zu der Implusion der Mannschaft auf dem Platz.

4. Persönliche Aktivierung und Tatkraft

Ebenso macht das schönste Ziel keinen Sinn, wenn, wenn es kaum erreichbar erscheint. Der zentrale Begriff dieses Unterpunkts lautet Selbstwirksamkeitserwartung (Albert Bandura): Was kann ich selber tun, um eine Veränderung in Richtung gewünschtem Ziel zu erreichen?

Zugleich geht es auch um die Frage nach der Überwindung von Opferhaltungen oder mit Kant „dem Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Etwas emotionaler der Dalai Lama: Schmerz ist unvermeidlich – Leiden ist eine Entscheidung.

5. Verantwortungsübernahme

Damit liegt es an jedem Menschen selbst, was er bereit ist zu akzeptieren, was nicht und wofür er die Verantwortung realistischerweise übernehmen kann und soll. Um mit Reinhard Sprenger zu sprechen: Wir haben immer eine Wahl. Es stellt sich nur die Frage, inwieweit wir bereit sind, den Preis für diese Wahl zu zahlen.

Natürlich gibt es auch Situationen, die sich unserer Verantwortung entziehen. Micheline Rampe spricht in diesem Zusammenhang von echten und gefühlten Opfern. Echte Opfer wurden entlassen, weil ihre Firma pleite machte und sie zu spät davon erfuhren. Gefühlte Opfer wurden entlassen, weil sie nicht sehen wollten, dass das Missmanagement der Führung das Unternehmen schon seit Jahren stetig an die Wand fährt.

Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Daher ist es wichtig, differenziert zu denken. Die Schuld liegt beinahe nie nur bei einer Partei. Jeder im System trägt eine Teilschuld. Doch Verantwortung kann ich letztlich nur für mich selbst übernehmen.

Von dieser (Teil-)Verantwortung kann ich direkt (persönliche) Ziele ableiten, um mich weiterzuentwickeln.

Es geht eben nicht um Anschuldigungen, wer was wie und wann falsch gemacht hat. Was die deutsche Mannschaft sympathisch macht, ist die Art, wie miteinander umgegangen wurde. Ich habe keine Ahnung, was Schweinsteiger oder Lahm auf dem Platz ihren Mitspielern regelmäßig zubrüllten. Aber es hatte nicht den Anschein, dass es sich hierbei um Anschuldigungen handelte. Dies schien auch aufgrund der wenigen Fehlpässe sind sonderlich nötig. Für mich hatte es eher den Anschein von Führung durch Vorbild.

6. Soziale Verbundenheit

Der Weg von der Verantwortung zur sozialen Verbundenheit ist nicht weit. Immerhin hat Verantwortung nicht nur etwas mit dem eigenen Leben, sondern auch mit dem Leben anderer zu tun. Dabei ist es wichtig, eine gute Balance zu finden zwischen dem Vertrauen auf sich selbst:

  • ich glaube daran, etwas bewegen zu können (Aktivierung)
  • und übernehme Verantwortung für meine Handlungen (Verantwortungsübernahme)

… und dem Vertrauen darauf, sich in der Not auf andere verlassen zu können.

Die Grundlage der Verbundenheit mit der Welt liefert eine Art Grundoptimismus bzw. das Grundvertrauen in eine gerechte Welt.

Gleichzeitig ist es wichtig für die eigene Resilienz, nicht nur Rollen spielen zu müssen, sondern auch unter Freunden und guten Bekannten „echt“ sein zu dürfen.

Interessanterweise wirkt bereits die Tatsache, verlässliche Freunde zu haben so stärkend, dass diese Freundschaften oftmals gar nicht genutzt werden müssen.

Nach zehn Jahren, die viele der Spieler gemeinsam in der Nationalmannschaft oder auch im Verein zusammen verbracht haben, ergeben sich Bindungen, die Krisen locker überstehen.

7. Zukunftsplanung

Das letzte Glied in der Kette aus Zielorientierung und Aktivierung befasst sich mit der Zukunftsplanung. Auch hier treffen wir wieder auf die Akzeptanz von Hochs und Tiefs sowie die Frage danach, was realistisch ist. Ist es realistisch, die eigene Zukunft zu 100% durchzuplanen?

Fredmund Malik sagt dazu: Es ist wichtig, sich im Sinne des Pareto-Prinzips auf das Wesentliche zu reduzieren. Ich kann meine Karriere nicht zu 100% planen. Aber ich kann vieles dafür tun, erfolgreich und glücklich zu werden. Ich kann netzwerken. Ich kann mich weiterbilden und Erfahrungen sammeln. Dennoch bleibt ein großer Rest (nach Pareto 80%!) übrig, der durch den Zufall bestimmt wird. Nicht ganz so dramatisch sieht es die 60-40-Regel aus dem Zeitmanagement: 60% meiner Zeit kann ich verplanen. 20% sollte ich für Pausen einplanen und 20% bleiben für das Chaos und Unvorhersehbarkeiten übrig.

Neben einer ruhigen Vorbereitung und und klaren Zielen spielt auch hier wieder die soziale Einbindung eine wichtige Rolle: Jeder in der deutschen Nationalmannschaft hatte seinen Platz und übernahm die Verantwortung, die zu seiner Kragenweite passte. Sogar diejenigen auf der Bank wurden miteinbezogen und feierten später mit, als ob sie selbst auf dem Platz gestanden hätten, siehe Podolski.

Was ich hierbei am spannendsten finde, ist die Abwesenheit von Konkurrenz. Zumindest öffentlich gab es keine Nicklichkeiten, wer wann und wie oft spielen darf. Keine Beschwerden von Spielern, die nicht spielen durften. Es gab Führungspersönlichkeiten wie Schweinsteiger, jedoch keine Einzelkämpfer, die ein Spiel alleine hätten „reißen“ können.

Zum Schluss daher nochmal ein Hoch – wie auf meinem Blog schon andernorts zu finden – auf den Erfolg durch konkurrenzlose Kooperationen.

Literatur:

Micheline Rampe: Der R-Faktor

Albert Bandura: Lernen am Modell

Fredmund Malik: Führen, Leisten, Leben

Das Wahre, Gute und Schöne

Es wäre schön, würden Veränderungen bei der Organisation beginnen. In der Realität beginnen sie jedoch meistens bei den Führungskräften, indem diese eine neue Führungs-, Feedback-, Gesprächs-, Kommunikations- und Konfliktkultur anbahnen, seit Platon „das Schöne“. In diesem Bereich geht es vor allem darum, wie Führungskräfte agieren sollten, um ihre Ziele umzusetzen.

Um zu ergründen, was Führungskräfte konkret tun können, greife ich auf neurobiologische und psychologische Hintergründe zurück, um Führungskräften einen funktionierenden kommunikativen Methodenkoffer an die Hand zu geben. Platon nannte diesen wissenschaftlichen Bereich „das Wahre“.

Nach und nach oder von dort selbst angestoßen, wandern die gelebten Veränderungen in den kulturellen Kanon der Organisation. In meiner Vision sollten sich modern aufgestellte Organisationen an demokratisch-menschlich-agil-digitalen Prinzipien orientieren, um zu wissen, wofür Führungskräfte, Teams sowie die gesamte Organisation sich engagieren. Nach Platon lautet dieser Bereich „das Gute“.